Umfahrung Eglisau: Ein Entscheid mit Signalwirkung
Mit der Überweisung der Richtplanvorlage zur Umfahrung Eglisau an den Kantonsrat ist ein wichtiger Schritt getan. Der Entscheid stärkt die Zürcher Wirtschaft und beseitigt einen zentralen Verkehrsengpass.
24. August 2026
Visualisierung der Umfahrungsbrücke bei Eglisau.
von Jürg Sulser*
Die Verkehrsachse durch Eglisau ist seit Jahren überlastet. Täglich rollen rund 22’000 Fahrzeuge durch den historischen Ortskern, ein grosser Teil davon Schwerverkehr. Bis 2040 rechnet der Kanton mit bis zu 30’000 Fahrzeugen pro Tag. Diese Belastung ist nicht nur für die Bevölkerung unhaltbar, sondern auch volkswirtschaftlich ineffizient. Der Engpass wirkt weit über Eglisau hinaus und bremst den gesamten Wirtschaftsraum Zürich-Nord.
Mit der Überweisung der Richtplanvorlage an den Kantonsrat schafft der Regierungsrat nun die planerische Grundlage für eine Lösung, die den Anforderungen von Verkehr, Wirtschaft und Umwelt Rechnung trägt. Die vertiefte Prüfung des Projekts weist einen Kostenrahmen von 580 Millionen Franken aus. Diese Kosten sind das Resultat des optimierten Projektes mit konsequentem Fokus auf Umwelt und Landschaftsschutz sowie realistischer Kostentransparenz. Gerade für Unternehmen sind Planbarkeit und Verlässlichkeit zentrale Standortfaktoren.
Wachstumsregion
Der Norden des Kantons Zürich ist eine Schlüsselregion für künftiges Wachstum. Hier entstehen Arbeitsplätze in Logistik, Gewerbe, Bauwirtschaft und Industrie. Hier gibt es Raum für Betriebe, die in den Zentren keinen Platz mehr finden. Dieses Wachstum kann jedoch nur funktionieren, wenn die verkehrliche Anbindung zuverlässig und planbar ist. Genau daran scheitert es heute in Eglisau.
Ein besonderes Gewicht kommt dabei dem Flughafen Zürich zu. Als einer der grössten Arbeitgeber des Kantons mit rund 30’000 Arbeitsplätzen ist er auf funktionierende Strassenverbindungen angewiesen. Schichtarbeit, frühe und späte Arbeitszeiten sowie Zuliefer-, Wartungs- und Sicherheitsdienste lassen sich nicht ausschliesslich auf den öffentlichen Verkehr verlagern. Die Achse aus dem Norden über Eglisau ist für tausende Arbeitswege und Transporte zentral. Engpässe und Unzuverlässigkeiten wirken sich direkt auf die Funktionsfähigkeit dieses international bedeutenden Standorts aus und damit auf die Wertschöpfung im ganzen Kanton.
Eglisau ist dabei ein neuralgischer Punkt. Die Rheinquerung ist historisch gewachsen und weder ausbaubar noch für heutige Verkehrsvolumen ausgelegt. Bereits kurze Verzögerungen verursachen in Logistik, Bauwirtschaft und Gewerbe erhebliche Mehrkosten. Für Pendlerinnen und Pendler summieren sich Zeitverluste auf mehrere Dutzend Stunden pro Jahr. Solche Reibungsverluste schwächen nicht nur eine Region, sondern das gesamte kantonale Verkehrs- und Wirtschaftssystem.
Die Umfahrung Eglisau ist deshalb kein Lokalprojekt, sondern Ausdruck kantonaler Verantwortung. Sie ordnet bestehenden Verkehr, trennt Durchgangsverkehr vom lokalen Leben und erhöht die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes. Davon profitieren auch die Zentren. Jeder Arbeitsplatz, der im Zürcher Unterland entstehen kann, entlastet Städte wie Zürich oder Winterthur bei Verkehr, Wohnraum und Infrastruktur.
Mit der Überweisung der Richtplanvorlage an den Kantonsrat liegt der Ball nun bei der Politik. Für den Wirtschaftsstandort Zürich ist entscheidend, dass das Geschäft zügig behandelt wird. Infrastrukturprojekte dieser Tragweite wirken über Jahrzehnte. Sie entscheiden darüber, ob wirtschaftliche Entwicklung gesteuert stattfinden kann oder an strukturellen Engpässen scheitert.
*Jürg Sulser ist CEO und Verwaltungsratspräsident der Sulser Group
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