Tipps vom Oberarzt: «Nicht untrainiert ans Grümpelturnier»

Sam Kehtari, Oberarzt am Kantonsspital Winterthur, hält Grümpelturniere nicht grundsätzlich für problematisch – warnt aber davor, untrainiert und unvorbereitet ans Turnier zu gehen. Fussball sei medizinisch besonders verletzungsanfällig, weil Sprints, Sprünge, abrupte Richtungswechsel und Zweikämpfe zusammenkämen. Bis zu 80 Prozent der Verletzungen betreffen die Beine. Häufig sind Verstauchungen des Sprunggelenks, Muskelverletzungen an den Oberschenkeln sowie Knieverletzungen. Besonders gefährdet sind Gelegenheitsspieler, die sonst wenig Sport treiben – unter anderem wegen Überlastung. Alter und frühere Verletzungen erhöhen das Risiko zusätzlich.

Der wichtigste Fehler: unvorbereitet antreten. Fehlendes Aufwärmen, ungeeignete Ausrüstung und ein plötzlicher Einstieg in hohe Belastungen begünstigen Verletzungen. Auch Schlafmangel oder Alkoholkonsum am Vorabend können das Risiko erhöhen.

Kehtaris wichtigster Präventionstipp ist deshalb denkbar einfach: gemeinsam und strukturiert aufwärmen. Das rund 20-minütige Aufwärmprogramm FIFA 11+ senke das Gesamtverletzungsrisiko um fast 40%, mit 30–70% weniger verletzten Spielern je nach Studie, sowie einer deutlichen Abnahme mittelschwerer bis schwerer Verletzungen. Ebenfalls sinnvoll seien ausreichend Pausen, eine begrenzte Spielzeit und genügend Erholung zwischen den Spielen.

Altersgrenzen hält Kehtari dagegen nicht für sinnvoll: Zwar steigt mit zunehmendem Alter das Verletzungsrisiko, ein genereller Ausschluss lasse sich wissenschaftlich aber nicht begründen. Sinnvoller sei es, ältere Teilnehmer für das erhöhte Risiko zu sensibilisieren. Auch beim Körpereinsatz plädiert er für Augenmass: Ein Grümpelturnier sei ein Freizeitanlass – übertriebener Einsatz und harte Zweikämpfe erhöhten die Gefahr von Fouls und Verletzungen.

Wer seinen Mitarbeitenden ein Fussballturnier als Teamanlass ermöglichen will, sollte nicht erst am Turniertag an die Prävention denken. Kehtari empfiehlt:

• gemeinsames Aufwärmen nach den Prinzipien von FIFA 11+ vor jedem Spiel
• passende Fussballschuhe und Schienbeinschoner
• begrenzte Spielzeiten und genügend Pausen
• ein gemeinsames Training in den Wochen vor dem Turnier
• Sensibilisierung für Schlaf und Ernährung vor dem Anlass
• Erste-Hilfe-Material und entsprechende Kenntnisse vor Ort

Seine grundsätzliche Empfehlung: «Ein Firmenturnier sollte ähnlich wie ein kleiner Wettkampf vorbereitet werden, wobei Art, Dauer und Intensität des Trainings entsprechend angepasst werden sollten.» Ein gemeinsames Training in den Wochen vor dem Turnier hilft zudem, sich mit dem Mannschaftsspiel, den Mitspielern und der Belastung vertraut zu machen.

Einen zusätzlichen Punkt sollten Unternehmen laut Kehtari insbesondere bei älteren Teilnehmern nicht ausser Acht lassen: Auch Herz-Kreislauf-Ereignisse können unter hoher Belastung auftreten. Deshalb gehört für ihn neben der Verletzungsprävention auch die Bereitschaft zur Ersten Hilfe zur sinnvollen Vorbereitung eines Turniers.

Mark Gasser

Chefredaktor
Zürcher Wirtschaft

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