Streit ums Schweizerkreuz
Der Schweizerische Gewerbeverband wehrt sich gegen die neue Swissness-Praxis des Instituts für Geistiges Eigentum. Das Schweizerkreuz soll weiterhin nur Produkte schmücken, die auch in der Schweiz hergestellt werden. Eine Petition ist nun im Umlauf.
15. September 2026 Zürcher Wirtschaft
Der sgv kritisiert die neue Praxis des IGE, wonach das Schweizerkreuz unter bestimmten Voraussetzungen auch auf im Ausland hergestellten Produkten verwendet werden darf. Im Bild: Laufschuhe von On.
Das Schweizerkreuz ist weit mehr als ein Logo. Es steht weltweit für Qualität, Zuverlässigkeit, Präzision und Schweizer Know-how. Mit der seit März 2026 geltenden Praxisänderung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) droht dieses Versprechen jedoch verwässert zu werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Schweizerkreuz seither auch auf Produkten angebracht werden, die im Ausland hergestellt wurden. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv will diese Entwicklung nicht hinnehmen und lanciert deshalb die Petition «Swissness». Sie fordert den Bundesrat auf, die Praxisänderung rückgängig zu machen und sicherzustellen, dass das Schweizerkreuz ausschliesslich für Produkte verwendet werden darf, die tatsächlich in der Schweiz hergestellt worden sind.
Gefahr der Irreführung
Aus Sicht des sgv gefährdet die neue Praxis die klare Verbindung zwischen dem Schweizerkreuz und der Produktion im Inland. Konsumenten könnten künftig annehmen, ein Produkt stamme aus der Schweiz, obwohl wesentliche Produktionsschritte im Ausland erfolgen. Damit werde der Schutz vor irreführenden Herkunftsangaben erschwert.
Besonders betroffen sind jene Schweizer Unternehmen, die weiterhin hierzulande produzieren, investieren, Arbeitsplätze schaffen und höhere Kosten tragen. Sie stehen im Wettbewerb mit Anbietern, die ihre Produktion ins Ausland verlagert haben, aber dennoch vom Vertrauen in das Schweizerkreuz profitieren könnten. Für den sgv entsteht dadurch ein Wettbewerbsnachteil für die produzierenden KMU und für den gesamten Werkplatz Schweiz.
Anreize, wegzuziehen
Der Verband warnt zudem davor, dass die Praxisänderung Anreize schaffen könnte, weitere Produktionsschritte ins Ausland zu verlagern. Dies gefährde nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung, sondern auch industrielles Know-how, das in Schweizer Unternehmen über Generationen aufgebaut worden sei. Gerade in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld brauche es verlässliche Rahmenbedingungen und einen glaubwürdigen Schutz der Herkunftsbezeichnung «Swiss Made».
Unterstützung erhält der sgv unter anderem von Isabelle Moret, Regierungsrätin und Wirtschaftsministerin des Kantons Waadt. Sie bezeichnet das Schweizerkreuz als «fantastischen Trumpf», der nicht verwässert werden dürfe. Auch sgv-Direktor Urs Furrer kritisiert, die Politik müsse Lösungen vorschlagen, welche die Schweizer Produktion stärkten, statt die Besonderheiten des Standorts Schweiz zu schwächen.
Mit der Petition ruft der sgv die Bevölkerung, Unternehmen und Organisationen dazu auf, ein Zeichen für einen starken Werkplatz Schweiz zu setzen. Das Schweizerkreuz müsse für echte Schweizer Qualität stehen und dürfe nicht zu einem beliebig einsetzbaren Marketinginstrument werden. Ein klarer Herkunftsschutz komme letztlich den Konsumentinnen und Konsumenten ebenso zugute wie den Schweizer KMU.
Zürcher Wirtschaft
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