Neue Planwirtschaft und Bürokratie? Nein danke.
Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!», über die wir am 14. Juni 2026 abstimmen, spricht wichtige Themen an. Sie bringt aber keine Lösung, sondern schafft neue Probleme: mehr Bürokratie, mehr Beamte und mehr Staat.
27. April 2026 Urs Furrer
Vereinfacht gesagt lautet das Rezept der Initiative: Man werfe alle Formen der Zuwanderung in ein und denselben Topf, füge die Entwicklung der einheimischen Bevölkerung hinzu und schraube am Schluss einen Deckel drauf. Was einfach klingt, ist ein grobes und undifferenziertes Instrument, das den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht gerecht wird.
Für Schweizer KMU führt ein solches Rezept zu mehreren Problemen:
Problem Nr. 1: Fachkräfte würden durch Asyl und Familiennachzug verdrängt.
Weil die Initiative alles in den gleichen Topf wirft, würde die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung durch Asyl und Familiennachzug konkurrenziert. Steigen diese Zahlen, bringt dies die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung unter Druck. Für KMU würde es schwieriger, gezielt Mitarbeitende mit den benötigten Fähigkeiten zu finden.
Problem Nr. 2: Nicht mehr der Markt, sondern Beamte entscheiden.
Heute steuert der Arbeitsmarkt einen wesentlichen Teil der Zuwanderung. Wer aus einem EU- oder EFTA-Land kommt und einen Job findet, kann bleiben. Der Regulator ist der Markt. Nach Annahme der Initiative wäre es anders: Der Staat gibt den Takt vor. Dabei ist der Staat dem Markt unterlegen, wenn es darum geht, Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo sie am produktivsten sind. Sind Kontingente ausgeschöpft, erhalten KMU keine Bewilligungen mehr. Sind die benötigten Fachkräfte im Inland nicht verfügbar, heisst das: Aufträge können nicht ausgeführt werden, Kunden springen ab, neue Aufträge können nicht angenommen werden.
Problem Nr. 3: KMU-feindliche Kontingentierung.
Die Mühsal der Kontingentierung für KMU kennen wir aus der Zeit vor der Personenfreizügigkeit. Früher wurden bei Kontingenten immerhin Konjunktur und Bedarf berücksichtigt. Neu würden sie sich nur noch an der Nettozuwanderung orientieren. Die Bedürfnisse der KMU spielen keine Rolle mehr. Kontingente wären kein wirtschaftspolitisches Instrument, sondern nur noch ein Mittel zur Steuerung der Bevölkerungszahl.
Problem Nr. 4: Mehr Bürokratie.
Die Kontingentierung bedeutet: Formulare, Anträge, Wartezeiten und Verfahren. Die Bürokratiekosten steigen stark. Das trifft KMU besonders, da sie weniger Ressourcen haben als Grossunternehmen. Letztere können mit ihren HR-Abteilungen die Bürokratie besser bewältigen.
«Die Kontingentierung bedeutet: Formulare, Anträge, Wartezeiten und Verfahren. Die Bürokratiekosten steigen stark. Das trifft KMU besonders.»
Urs Furrer, Direktor schweiz. Gewerbeverband sgv
Die Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials ist wichtig, reicht als Rezept aber nicht. Auch bei maximaler Nutzung (Erhöhung Arbeitspensum und Rentenalter, Förderung der Berufsbildung, stärkere Integration der inländischen Bevölkerung ins Berufsleben) bleibt eine Lücke. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in Zukunft viele Arbeitskräfte fehlen. Darum ist ganz klar: KMU müssen weiterhin unkompliziert Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren können.
Oder anders gesagt: Probleme im Asylbereich müssen gelöst werden, aber nicht zulasten der KMU! Die Initiative vermischt alles und bestraft Unternehmen für Fehlentwicklungen in anderen Bereichen. Das ist nicht zielführend. Das kann und darf nicht sein.
Urs Furrer
Direktor schweizerischer Gewerbeverband sgv
Meistgelesene Artikel
Zu Gast im boomenden Flughafen
31. Oktober 2025
Auf Spurensuche nach dem «Kitt» im Team
22. September 2025
Die Fitnessszene wächst rasant – und wird älter
22. August 2025
Vom Bestattungswesen bis zum Bau: Welche Faktoren den Nachwuchs anziehen
20. Oktober 2025
Konkurrenz um Kaugummis mit Kick
25. August 2025
Resilienz von Mitarbeitenden stärken
25. Oktober 2024
Ihre Meinung ist uns wichtig
Das Thema ist wichtig.
Der Artikel ist informativ.
Der Artikel ist ausgewogen.
Meistgelesene Artikel
Zu Gast im boomenden Flughafen
31. Oktober 2025
Auf Spurensuche nach dem «Kitt» im Team
22. September 2025
Die Fitnessszene wächst rasant – und wird älter
22. August 2025
Vom Bestattungswesen bis zum Bau: Welche Faktoren den Nachwuchs anziehen
20. Oktober 2025
Konkurrenz um Kaugummis mit Kick
25. August 2025
Resilienz von Mitarbeitenden stärken
25. Oktober 2024