Zurückhaltung statt Optimismus

Zürcher KMU verlieren ihren Optimismus merklich: Aktuell beurteilen 60 Prozent der Betriebe ihre Lage als positiv – 2025 waren es noch 64 Prozent. Auch der Blick nach vorne fällt gedämpfter aus. Doch nicht alle Branchen stecken den Kopf in den Sand: Für Lichtblicke sorgen Bau und Dienstleistungen.

Grafik ZKB

Sowohl die Einschätzungen der KMU zu Umsatz als auch zu Marge sind sinkend.

Die Zürcher Wirtschaft läuft nicht schlecht. Aber sie läuft längst nicht mehr so rund wie noch vor wenigen Jahren. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des «KMU ZH Monitor», für den die ZHAW im Auftrag der Zürcher Kantonalbank mehr als 1280 Unternehmen befragt hat. Das Ergebnis: Die Stimmung in den kleinen und mittleren Unternehmen hat sich erneut eingetrübt – und der langjährige Optimismus bröckelt.

Zwar beurteilen noch immer sechs von zehn Zürcher KMU ihre Geschäftslage als gut. Doch der Trend zeigt seit mehreren Jahren nach unten. Aktuell beurteilen
60 Prozent der Betriebe ihre Lage als positiv – 2025 waren es noch 64 Prozent. Noch deutlicher wird die Verunsicherung beim Blick in die Zukunft: Immer weniger Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen oder besseren Margen. Der Anteil der KMU, die eine positive Geschäftsentwicklung erwarten, sank im Vorjahresvergleich von 70 auf 64 Prozent. Insbesondere die Erwartung steigender Umsätze brach 2022 von 41 Prozent ein auf nur noch 12 Prozent.

Während 2022 noch viele Betriebe von Wachstum ausgingen, halten sich heute positive und negative Erwartungen fast die Waage. Besonders spürbar sind die Folgen auf dem Arbeitsmarkt. Zwar planen weiterhin mehr KMU einen Stellenaufbau als einen Stellenabbau. Der Vorsprung ist jedoch stark geschrumpft. Die Zeit des grossen Personalhungers scheint vorerst vorbei zu sein.

Gleichzeitig verschieben sich die Sorgen der Unternehmerinnen und Unternehmer. Jahrelang galt der Fachkräftemangel als grösste Herausforderung. Nun verliert dieses Thema deutlich an Brisanz. Stattdessen macht vielen Betrieben etwas anderes zu schaffen: Es fehlen die Kunden.

Rund ein Drittel der Zürcher KMU klagt inzwischen über eine zu schwache Nachfrage – doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Entsprechend gewinnt die Kundenakquise an Bedeutung und gehört mittlerweile zu den grössten Herausforderungen im Geschäftsalltag. Ganz oben auf der Sorgenliste stehen allerdings weiterhin Vorschriften und Regulierungen. Ebenfalls stark beschäftigt die Unternehmen das Thema «Digitalisierung und künstliche Intelligenz», insbesondere kleinere Betriebe.

Druck auf Industrie und Handel

Die Studie zeigt jedoch auch, dass von einer einheitlichen KMU-Lage keine Rede sein kann. Zwischen den Branchen klaffen die Unterschiede weit auseinander. Am stärksten unter Druck stehen Industrie und Handel. In der Industrie beurteilt nur noch knapp jedes dritte Unternehmen seine Geschäftslage positiv. Viele Betriebe kämpfen mit sinkenden Margen, zurückhaltenden Kunden und fehlenden Aufträgen. Hinzu kommt der starke Schweizer Franken, der exportorientierte Unternehmen zusätzlich belastet. Auch der Handel leidet unter schwacher Nachfrage und zunehmendem Wettbewerbsdruck.

Ganz anders präsentiert sich die Lage auf den Baustellen und in grossen Teilen des Dienstleistungssektors. Im Bereich Bau und Architektur bewerten sieben von zehn Unternehmen ihre Geschäftslage als gut – ein Spitzenwert im Branchenvergleich. Auch wirtschaftliche und soziale Dienstleistungen bleiben mehrheitlich optimistisch und rechnen weiter mit steigenden Umsätzen.

Die Herausforderungen unterscheiden sich dabei deutlich: Während Baufirmen nach wie vor händeringend Personal suchen, beschäftigt Dienstleistungsunternehmen vor allem die digitale Transformation. Künstliche Intelligenz und neue Technologien werden dort häufiger als Problem und Chance zugleich wahrgenommen.

Der «KMU ZH Monitor 2026» zeichnet damit das Bild einer Wirtschaft im Übergang. Die grossen Krisenängste früherer Jahre sind zwar ausgeblieben, doch der Wachstumsoptimismus wich einer vorsichtigen Zurückhaltung. Die Unternehmen suchen weniger Mitarbeitende – und dafür umso häufiger neue Kunden.
Für den Wirtschaftsstandort Zürich ist das ein wichtiges Signal. Die KMU stellen fast drei Viertel aller Arbeitsplätze im Kanton und bilden das Rückgrat der regionalen Wirtschaft. Wenn ihre Zuversicht schwindet, lohnt es sich, genau hinzuschauen. Noch ist die Stimmung mehrheitlich positiv. Doch der Trend zeigt in eine andere Richtung.

Mark Gasser

Chefredaktor
Zürcher Wirtschaft

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