Günstiger Solarstrom clever genutzt
Solarstrom ist besonders günstig, wenn viel davon verfügbar ist. Mit Batterien und intelligenter Verbrauchs-steuerung optimieren Eigenheimbesitzende und Unternehmen ihre Kosten – ohne Komfortverlust.
27. Oktober 2026
Solarstrom ist in vielen Stunden des Jahres unschlagbar günstig. Jetzt gilt es, diesen Vorteil intelligent auszunutzen.
An einem klaren Herbsttag produziert die Solaranlage des Dienstleistungszentrums Glattpark über Mittag mehr Strom, als der Betrieb unmittelbar benötigt. In den Büros laufen Computer und Lüftung, im Personalrestaurant wird das Mittagessen vorbereitet und in der Tiefgarage laden Elektroautos. Für die Einspeisung des überschüssigen Solarstroms gibt es zu diesem Zeitpunkt jedoch nur wenige Rappen.
Das Beispiel ist fiktiv, die Situation aber für viele Eigenheimbesitzende und Unternehmen mit eigener Solaranlage real: Wenn viele Solaranlagen gleichzeitig Strom produzieren, ist die Vergütung für die Einspeisung häufig tief. «Die Wertigkeit von Strom hängt mehr denn je vom Zeitpunkt ab, an dem er zur Verfügung steht», erklärt Martin Baldinger, Leiter Business Design & Innovation bei EKZ.
Deshalb muss das Energiesystem flexibler werden
Solarstrom ist in vielen Stunden des Jahres unschlagbar günstig: «Das ist ein grosser Vorteil, den wir clever nutzen müssen», sagt Baldinger. In der Fachsprache spricht man von Flexibilität im Energiesystem. Gemeint ist die Fähigkeit, Strom dann zu nutzen oder zu speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist. Wer mehr Solarstrom selbst nutzt, senkt den Strombezug aus dem Netz und reduziert seine Energiekosten. Das entlastet zugleich das Stromnetz, weil weniger Energie abtransportiert werden muss.
Dank Batterien Kosten senken
Batterien sind für ein flexibles Energiesystem mit immer mehr PV-Anlagen unverzichtbar, werden bisher aber noch zu wenig eingesetzt. Das ändert sich derzeit rasant: «Batterien speichern Strom kurzfristig und verschieben Lasten gezielt. Im Eigenheim lässt sich damit beispielsweise der Stromverbrauch am Abend decken», erklärt Baldinger.
Auch Unternehmen können mit Batterien ihren Strombezug zeitlich optimieren. Besonders attraktiv ist dies für Grossverbraucher mit Leistungstarif – etwa Gewerbe- und Industriebetriebe sowie Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV): Sie bezahlen nicht nur für die bezogene Strommenge, sondern auch für die höchste Leistungsspitze, die sie im jeweiligen Monat im Netz verursachen. Selbst kurze Spitzen können teuer werden. «Batterien glätten diese Spitzen. Wer die Leistungsspitze um 10 kW reduziert, spart je nach Netzgebiet jährlich zwischen 1500 und 2000 Franken», rechnet der Experte vor.
Wichtig ist zudem: Oft wird nicht die gesamte Batteriekapazität für die eigenen Anwendungen benötigt. Die verbleibende Flexibilität kann über verschiedene Marktplätze monetarisiert werden. Das gezielte Nutzen von Preisunterschieden wird so zu einem entscheidenden Werttreiber.
Stromverbrauch intelligent steuern
Eine weitere zentrale Eigenschaft eines flexiblen Energiesystems besteht darin, dass sich flexible Verbraucher wie Elektroautos, Wärmepumpen, Boiler, Speicher und geeignete betriebliche Anwendungen selbständig nach der Stromproduktion ausrichten. «Werden sie intelligent gesteuert, entlasten sie das Stromnetz und helfen, Solarstrom effektiv in die Energieversorgung zu integrieren», erklärt Baldinger.
Die intelligente Steuerung erfolgt idealerweise über ein digitales Energiemanagementsystem (EMS). Es orientiert sich dabei automatisch an der Solarproduktion und dem Strompreis. Eigenheimbesitzende und Unternehmen profitieren, ohne laufend Preise prüfen oder Anlagen manuell steuern zu müssen. Das Eigenheim bleibt warm, das Elektroauto ist rechtzeitig geladen und betriebliche Anlagen laufen wie geplant – ohne Komfortverlust oder Eingriffe in die Betriebsabläufe.
Der Markt muss spielen
Marktmechanismen sind von entscheidender Bedeutung, damit sich flexibler Verbrauch und Speicherung automatisch dem Stromangebot anpassen. Der dynamische Wahltarif von EKZ signalisiert zum Beispiel, wann es sich lohnt, energieintensive Verbraucher mit Strom aus dem Netz zu versorgen. Marktorientiere Rückliefertarife für Solarstrom, wie sie ab 2027 per Gesetz eingeführt werden, zeigen wiederum an, wann sich die Einspeisung ins Netz lohnt und wann nicht: «Erst wenn Preise schwanken, entsteht ein echter Anreiz, Verbrauch, Speicherung und Einspeisung zeitlich zu optimieren», betont Baldinger.
Eine grosse Chance
Solarstrom wird immer mehr zu einem zentralen Pfeiler der Schweizer Energieversorgung. Für Eigenheimbesitzende und Unternehmen eröffnet sich damit die Chance, Energiekosten zu optimieren, wenn sie den eigenen Solarstrom besser ausschöpfen. Batteriespeicher und intelligente Verbrauchssteuerung durch Energiemanagementsysteme spielen dabei eine zentrale Rolle.
Martin Baldinger arbeitet bei EKZ am flexiblen Energiesystem von morgen.
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