Grümpi-Umfrage: Teamgeist oder Risiko?
Grümpelturniere bleiben beliebt – doch Fussballver-letzungen sind für viele KMU Realität. Eine Umfrage des Baumeisterverbands zeigt das Spannungsfeld.
17. September 2026 Mark Gasser
Die Fussballverletzungen nach Häufigkeit bzw. Folgen.
Dass das Thema «Grümpelturniere» (siehe S. 6–7) flächendeckend in den Betrieben angekommen ist, zeigt auch eine auf Anregung des KGV durchgeführte Umfrage des Baumeisterverbands Zürich/Schaffhausen unter seinen Mitgliedern. 30 Betriebe haben geantwortet – das gibt zwar kein repräsentatives, aber ein recht differenziertes Bild über die Haltung zum Thema. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
• Teilnahme an Grümpelturnieren: 63% machen keine Vorgaben und überlassen die Teilnahme den Mitarbeitenden.
• Freizeitverletzungen: 40% sagen, Freizeitverletzungen sei-
en regelmässig oder spürbar ein Problem für ihren Betrieb.
• Fussballverletzungen: Sogar 57% haben bereits vereinzelt oder mehrfach Fussballverletzungen erlebt.
Freizeitverletzungen sind also durchaus spürbar in der Branche: Vier von zehn Betrieben (40%) erleben Freizeitverletzungen als spürbare (23%) oder regelmässige (17%) Belastung. Weitere 33% berichten von gelegentlichen Verletzungen, während 23% diese als selten bezeichnen. Nur ein Betrieb gab an, dass Freizeitverletzungen bisher kein Thema seien.
Fussballverletzungen im Besonderen sind in 57% der Betriebe vorgekommen. Bei 30% traten sie vereinzelt auf, bei 23% mehrfach. Ein Betrieb berichtet sogar von erheblichen Folgen für den Betrieb. Damit entfällt knapp die Hälfte der Betriebe, die bereits Fussballverletzungen erlebt haben, auf Fälle mit mehrfachen oder besonders gravierenden Folgen.
Dennoch setzt eine klare Mehrheit auf Selbstverantwortung: 63% geben keine Vorgaben, 3 Betriebe (10%) unterstützen gar eine Teilnahme, teils sogar mit eigenem Team. 17% raten von einer Teilnahme ab, 7% untersagen sie.
Eigenverantwortung wichtig
Fazit: Die meisten Arbeitgeber akzeptieren Grümpelturniere – obwohl viele die Folgen kennen. Die Betriebe, die aber ausdrücklich von Grümpelturnieren abraten, gehören überdurchschnittlich oft zu jenen, die bereits mehrfach Fussballverletzungen erlebt haben. Das spricht dafür, dass die Haltung häufig auf Erfahrungen beruht – nicht auf einer grundsätzlichen Ablehnung des Sports.
In zwei offenen Fragen wurde auch nach dem Grund für die jeweilige Haltung und nach weiteren Erfahrungen zum Thema Freizeitverletzungen gefragt. Am häufigsten kam sinngemäss die Meinung, dass «Selbstverantwortung dominiert». Einige Antworten: «Das ist Privatsache», «Wo darf ein Arbeitgeber ins Privatleben eingreifen? Unserer Meinung nach nirgends», «Man kann auch Skifahren oder Motorradfahren nicht verbieten». Die Kernaussage: Arbeitgeber sehen ihre Verantwortung am Arbeitsplatz – nicht in der Freizeit. Ein Betrieb mit regelmässigen Verletzungsausfällen meinte gar, dass Freizeitaktivitäten grundsätzlich gesund sind und einen wichtigen Beitrag zum körperlichen und psychischen Wohlbefinden beitragen.
Wiederkehrende Begründungen für die Unfälle an Grümpelturnieren: schlechte körperliche Vorbereitung, Selbstüberschätzung, untrainierte Hobbyfussballer, hohe Belastung für Knie und Beine. «Die Form der Teilnehmer ist meistens sehr schlecht, und somit ist die Unfallgefahr überproportional hoch», berichtet ein Betrieb.
Mindestens so einschneidend scheint allerdings für mehrere Betriebe die Zunahme der Velounfälle, darunter Mountainbiken. Genannt werden daneben aber auch Skifahren, Joggen, Wandern, Motorradfahren, Aktivitäten in Turnverein, Haushalt, oder Schulsport bei Lernenden. Grümpelturniere sind also nur ein Teil eines grösseren Problems: Entscheidend sind für die Betriebe letztlich die Folgen von Freizeitverletzungen insgesamt.
Umgang mit Arztzeugnissen
Öfter werden auch hohe Kosten durch Freizeitunfälle moniert: Mehrere Betriebe nennen etwa den organisatorischen Aufwand und lange Ausfallzeiten. Ein Betrieb sagt sogar, dass bei der Einstellung neuer Mitarbeiter mündlich vereinbart werde, dass das Fussball- spielen nicht mehr erwünscht sei.
Und für einen Betrieb sind nicht unbedingt die Unfälle selber das grösste Problem, sondern die Diagnose: «Sobald Ärzte Bau hören, schreiben sie den Verunfallten 100% arbeitsunfähig.» Der Betrieb meint, Poliere oder Kranführer könnten teilweise weiterarbeiten.
Ein Betrieb fordert ausdrücklich eine bessere Entlastung der Arbeitgeber, indem bessere Versicherungslösungen sie gegen hohe Ausfallkosten abfedern sollen – etwa durch eine ausgewogenere Kostenverteilung.
Gegenargument Teambuilding
Einige wenige Betriebe sehen Grümpelturniere positiv als «teambildend» oder «bisher ohne Verletzungsfolgen». Genannt werden der Teamgeist, die Förderung des Zusammenhalts und die Freude der Mitarbeitenden an solchen Anlässen. Zwei Betriebe nehmen als Unternehmen selbst an Grümpelturnieren teil.
Damit zeigt die Umfrage ein Spannungsfeld: Grümpelturniere werden von vielen Betrieben als Privatsache und Ausdruck von Selbstverantwortung akzeptiert, gleichzeitig sind die möglichen Folgen von Freizeitverletzungen für die Arbeitgeber real und teilweise erheblich. Die Diskussion dreht sich deshalb weniger um ein Verbot einzelner Sportarten als mehr um die Frage, wie mit den wirtschaftlichen Folgen von Freizeitunfällen umgegangen werden soll. (M.G.)
Mark Gasser
Chefredaktor
Zürcher Wirtschaft
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