Freie Fahrt auf Bellerivestrasse
Aufatmen an der Goldküste und im Seefeld: Die Stadt Zürich bricht ihren ideologischen Feldzug gegen den motorisierten Individualverkehr an der Bellerivestrasse ab. Nach zähem rechtlichem Ringen und massivem Druck des KGV steht fest: Die wichtige Verkehrsachse bleibt vierspurig. Ein Meilenstein für das Zürcher Gewerbe.
14. September 2026 Zürcher Wirtschaft
Es drohte eine unendliche Geschichte zu werden, die im August 2025 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Unter dem Vorwand einer dringenden Notsanierung maroder Wasserleitungen wurde die Kapazität einer der wichtigsten Einfallsachsen der Stadt Zürich massiv reduziert. Wo zuvor vier Spuren den Pendler- und Lieferverkehr aufnahmen, staute sich der Verkehr plötzlich auf je einer Spur pro Richtung. Das Resultat war ein Verkehrschaos, das selbst altgediente Bundesrätinnen wie Doris Leuthard öffentlich als «totales Chaos» bezeichneten.
Doch hinter den Baustellenschranken stand ein weit grösseres Projekt: der «Verkehrsversuch», den der damalige Tiefbauvorsteher Richard Wolff (AL) vor sechs Jahren lanciert hatte. Die rot-grüne Stadtregierung wollte testen, ob sich die Bellerivestrasse dauerhaft auf zwei Spuren reduzieren lässt. Für KMU, Handwerker, Lieferanten und Dienstleister im Seefeld und den angrenzenden Gemeinden hätte dies erhebliche Folgen gehabt: mehr Schleichverkehr in den Quartieren, blockierte Servicefahrzeuge und zusätzliche Zeitverluste.
Widerstand aus der Wirtschaft
Gegen die dauerhafte Verengung formierte sich deshalb früh breiter Widerstand. Mehrere Wirtschaftsverbände, lokale Gewerbevereine und Gemeinden stellten sich gegen den geplanten Spurabbau. Auch der KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) setzte sich gemeinsam mit den betroffenen Wirtschaftskreisen dafür ein, dass die Bellerivestrasse als wichtige Verkehrsachse erhalten bleibt.
Der Widerstand trug schliesslich Früchte. Nachdem bereits die Kantonspolizei und die kantonale Sicherheitsdirektion das städtische Vorhaben blockiert hatten, wies der Zürcher Regierungsrat im Juni 2026 den Rekurs der Stadt definitiv ab. Damit war der «Verkehrsversuch Spurabbau» endgültig vom Tisch.
Wieder freie Fahrt
Die gute Nachricht für Pendler, Gewerbe und Anwohner folgte prompt: Die Sanierungsarbeiten konnten rund vier Monate früher als geplant abgeschlossen werden. Seit dem 6. September 2026 ist das Baustellenregime aufgehoben und die Bellerivestrasse wieder vierspurig befahrbar.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, dass die Interessen von Gewerbe und Wirtschaft bei verkehrspolitischen Entscheiden Gehör finden. Gleichzeitig ist die Angelegenheit noch nicht endgültig abgeschlossen: Die Stadt hat bereits weitere Werkleitungsarbeiten und ein neues Strassenbauprojekt angekündigt. Die Entwicklung an der Bellerivestrasse dürfte Wirtschaft und Gewerbe daher auch in Zukunft beschäftigen.
Bemerkenswert ist schliesslich, wie zurückhaltend die Stadt den Abschied vom umstrittenen Verkehrsversuch kommunizierte. Eine offizielle Medienmitteilung zum definitiven Verzicht blieb aus. Stattdessen wurde die Information lediglich in einer kurzen Notiz auf der städtischen Webseite veröffentlicht. Als Grund wird unter anderem die lange Dauer eines möglichen Gerichtsverfahrens genannt.
Zürcher Wirtschaft
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