Das KV am Puls der Zeit
Diesen Sommer schlossen KV-Lernende ihre Lehre zum ersten Mal nach der neuen Reform ab. Zeit für ein Zwischenfazit.
30. Oktober 2026
Das Qualifikationsverfahren des KV setzt sich aus den Komponenten «Betrieblicher Teil» und «Schulischer Teil» zusammen.
von Dennis Malischke
Die Berufslehren in der Schweiz werden alle fünf Jahre überprüft, damit sie aktuell und qualitativ hochwertig bleiben. Auch das KV mit der zweijährigen Lehre zum Eidgenössischen Berufsattest (EBA) und der dreijährigen Lehre zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) wurde reformiert. Die Reformen der Bildung Kaufleute Schweiz (BIKAS) und der Interessengemeinschaft Kaufmännische Grundbildung (IGKG) sind seit August 2023 in Kraft.
Was ist neu?
Im Zuge der Reform heisst die zweijährige Lehre nicht mehr «Büroassistent/in EBA», sondern «Kauffrau/-mann EBA». Absolvierende dieser Ausbildung können bei guten Voraussetzungen sogar direkt ins zweite Jahr der EFZ-Lehre einsteigen und insgesamt innerhalb von vier Jahren zu einem EFZ-Abschluss gelangen.
Inhaltlich besteht die grösste Änderung bei der EBA- und EFZ-Lehre im Fokus auf die Handlungskompetenzen. Im Zuge der Reform werden klassische Schulfächer wie Deutsch, Wirtschaft und Gesellschaft oder Sprachen aufgebrochen und vermehrt handlungskompetenzorientiert unterrichtet. Vom theoretischen Auswendiglernen geht es dazu über, das erworbene Wissen in vernetzten Arbeitssituationen einzusetzen.
«Mit der Reform wird garantiert, dass die KV-Ausbildung weiterhin attraktiv, zeitgemäss und am Arbeitsmarkt ausgerichtet erfolgt», betont Jonas Schudel, Leiter Betriebliche Bildung im Mittelschul- und Berufsbildungsamt. Er fügt an: «Die Betriebe im Kanton Zürich zeigen ein grosses Engagement, Lernende im Bereich KV auszubilden. Diese Bereitschaft ist gerade für die Umsetzung der Neuerungen enorm wichtig, denn schlussendlich leisten die Unternehmen die entsprechenden Arbeiten. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.»
Prüfung an der Praxis
Die neuen Abschlussprüfungen des KV, das Qualifikationsverfahren (QV), setzen sich aus den beiden Komponenten «Betrieblicher Teil» und «Schulischer Teil» zusammen. Im Betrieb weisen die Lernenden nach, dass sie die Prozesse, Werkzeuge und Kommunikationswege beherrschen und administrative sowie organisatorische Aufgaben fehlerfrei und selbständig ausführen können. In der Schule liegt das Augenmerk auf dem theoretischen Fundament, das in praxisnahe Fallstudien eingebettet wird. Wirtschaftliche, gesellschaftliche und technologische Zusammenhänge müssen analysiert und direkt auf betriebliche Problemstellungen angewendet werden. Diese verknüpfte Anwendung von Wissen widerspiegelt einen Hauptpunkt der Änderung durch die Reform. Es werden keine schulischen Fächer im herkömmlichen Sinn geprüft, sondern die Handlungskompetenzen. Zudem werden die drei Lernorte – Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse (üK) – aktiv miteinander verknüpft.
«Die neue Ausrichtung bringt die Prüfung näher an den Berufsalltag und ermöglicht es den Lernenden, Wissen zu verknüpfen und auf konkrete Situationen anzuwenden. Auch die digitale Durchführung des QV war ein wichtiger Schritt in der Umsetzung der Reform», sagt Vera Class, Präsidentin der kantonalen Prüfungskommission 161 für die kaufmännischen Berufe. Vieles sei neu und teilweise noch unsicher gewesen, was für alle Beteiligten anspruchsvoll war.
Bei den mündlichen Abschlussprüfungen stehen sogenannte «Mini-Cases» im Zentrum. Dabei handelt es sich um unvorbereitet oder kurzfristig zu lösende Alltagsszenarien aus der kaufmännischen Praxis. Beispiele sind ein anspruchsvolles Gespräch mit unzufriedenen Kunden, eine überzeugende Präsentation vor dem Management oder das strukturierte Koordinieren von unvorhersehbaren Lieferengpässen im Team.
Erfolgreiches QV
Die Prüfungsexpertinnen und -experten bewerten in den Simulationen nicht nur das rein fachliche Resultat. Ein starkes Gewicht liegt auf den methodischen und sozialen Kompetenzen: Wie flexibel reagieren die Lernenden auf Einwände? Wie klar ist ihre Argumentation? Und wie stilsicher bewegen sie sich im digitalen und persönlichen Austausch?
Die finale Note des QV setzt sich aus den Leistungen der drei Lernorte und den Abschlussprüfungen zusammen. Durch diese breite Abstützung verliert die einzelne Tagesform am Prüfungstag an Relevanz, während die konstante Leistung über die gesamte Lehrzeit hinweg an Bedeutung gewinnt.
Im erstmaligen QV nach der Reform Reform haben diesen Sommer über 96 % die Prüfungen bestanden. Diese Zahl ist nicht nur Bestätigung für die Qualität des angepassten QV, sondern zugleich Motivation, um die Prüfungen und dahinterliegenden Prozesse auch weiter zu optimieren. Beispielsweise können die Handlungskompetenzen stärker mündlich geprüft werden. Gerade um Herausforderungen wie KI und weitere Neuerungen mitaufzunehmen, können Prüfungsformate im mündlichen Austausch eine Möglichkeit sein.
Interview: «HMS macht fit für Arbeitsmarkt oder Studium»
Wir sprachen mit Dieter Kläy, Präsident der Berufsbildungskommission des KGV und Verantwortlicher Bildung beim sgv. Er ist überzeugt, dass mehr Praktikumsplätze für HMS-Absolventen ein Gewinn für alle wären.
30. Oktober 2026
Dieter Kläy ist Präsident der Berufsbildungskommission des KGV und Ressortchef Bildung beim sgv
von Mark Gasser
Warum braucht es neben der klassischen KV-Lehre mit der HMS einen zweiten Ausbildungsweg zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis?
Dieter Kläy: Die grosse Mehrheit der Lernenden einer kaufmännischen Ausbildung gehen den Weg der dualen Lehre. Die HMS ist Zusatzangebot für höhere kaufmännische Berufe und macht fit für Arbeitsmarkt oder Studium.
Weshalb ist es wichtig, dass die Unternehmen genügend Praktikumsplätze für Lernende der HMS bereitstellen?
Kläy: Praktikumsplätze ermöglichen HMS-Lernenden den Praxiseinstieg. Dass besonders geeignete und motivierte Jugendliche diese Ausbildung absolvieren können, braucht es Praktikumsplätze.
Was können Unternehmen gewinnen, wenn sie einen HMS-Absolventen oder eine HMS-Absolventin für das einjährige Praktikum aufnehmen?
Kläy: Die HMS ist eine dreijährige Vollzeitschule mit anschliessendem einjährigem Praktikum. Die Lernenden kommen gut ausgebildet in das Unternehmen und können direkt Aufgaben übernehmen. Die HMS eignet sich für besonders leistungsfähige und motivierte Jugendliche.
Wie lassen sich Betriebe motivieren, die grosse Zahl an Lehrstellen für die klassische KV-Berufsbildung sowie auch für die benötigten Praktikumsplätze für HMS-Lernende zur Verfügung zu stellen?
Kläy: Die Kosten-Nutzen-Erhebung der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung EHB zeigt im Bericht 2025, dass über 70 Prozent der Lehrverhältnisse schon während der Ausbildung einen positiven Nettonutzen für den ausbildenden Betrieb erzeugen. Das gilt besonders auch für die KV-Berufe. Ausbildende Unternehmen haben einen direkten Nutzen.
Info
Mit der Handelsmittelschule zum KV
Die HMS schliesst an die 2. oder 3. Klasse der Sekundarschule an. Zum einen erhalten Jugendliche nebst der beruflichen eine umfassendere schulische Ausbildung als beim KV. Zum anderen können Betriebe Nachwuchsfachkräfte Vollzeit für ein Jahr einstellen. Die HMS wird an der Kantonsschule Büelrain, Kantonsschule Enge, Kantonsschule Hottingen und an der Kantonsschule Stadelhofen in der Filiale Dübendorf angeboten. Zur Aufnahme braucht es die Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP), die einmal pro Jahr Anfang März stattfindet.
Die HMS dauert insgesamt vier Jahre und verknüpft die kaufmännische Ausbildung mit einer vertieften Allgemeinbildung (KV EFZ plus BM 1). Während drei Jahren liegt der Fokus auf Wirtschaftsfächern wie Wirtschaft und Recht sowie Finanz- und Rechnungswesen. Der zweite Schwerpunkt sind Sprachfächer. Die Ausbildung umfasst neben dem Fach Deutsch drei obligatorische Fremdsprachen. Als Drittes garantiert die HMS eine intensive Schulung in Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Nach dem 3. Schuljahr erfolgt der Schritt in die Praxis. Das Vollzeit- Praktikum dauert mindestens ein Jahr.
Im Praxisjahr erwerben die HMS-Absolvierenden «on the job» die relevanten Handlungskompetenzen für den EFZ-Abschluss. Dabei können die Betriebe sie schrittweise produktiv im Tagesgeschäft einsetzen. Die Praktikantinnen und Praktikanten erbringen für den Praktikumsbetrieb wertvolle Arbeitsleistungen.
Unternehmen, die einen Praktikumsplatz anbieten möchten, müssen grundsätzlich die gleichen inhaltlichen Anforderungen wie für die KV-Ausbildung erfüllen. Sie verpflichten sich für die Begleitung der HMS-Absolvierenden für ein Jahr.
Ihre Meinung ist uns wichtig
Das Thema ist wichtig.
Der Artikel ist informativ.
Der Artikel ist ausgewogen.
Info
Mit der Handelsmittelschule zum KV
Die HMS schliesst an die 2. oder 3. Klasse der Sekundarschule an. Zum einen erhalten Jugendliche nebst der beruflichen eine umfassendere schulische Ausbildung als beim KV. Zum anderen können Betriebe Nachwuchsfachkräfte Vollzeit für ein Jahr einstellen. Die HMS wird an der Kantonsschule Büelrain, Kantonsschule Enge, Kantonsschule Hottingen und an der Kantonsschule Stadelhofen in der Filiale Dübendorf angeboten. Zur Aufnahme braucht es die Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP), die einmal pro Jahr Anfang März stattfindet.
Die HMS dauert insgesamt vier Jahre und verknüpft die kaufmännische Ausbildung mit einer vertieften Allgemeinbildung (KV EFZ plus BM 1). Während drei Jahren liegt der Fokus auf Wirtschaftsfächern wie Wirtschaft und Recht sowie Finanz- und Rechnungswesen. Der zweite Schwerpunkt sind Sprachfächer. Die Ausbildung umfasst neben dem Fach Deutsch drei obligatorische Fremdsprachen. Als Drittes garantiert die HMS eine intensive Schulung in Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Nach dem 3. Schuljahr erfolgt der Schritt in die Praxis. Das Vollzeit- Praktikum dauert mindestens ein Jahr.
Im Praxisjahr erwerben die HMS-Absolvierenden «on the job» die relevanten Handlungskompetenzen für den EFZ-Abschluss. Dabei können die Betriebe sie schrittweise produktiv im Tagesgeschäft einsetzen. Die Praktikantinnen und Praktikanten erbringen für den Praktikumsbetrieb wertvolle Arbeitsleistungen.
Unternehmen, die einen Praktikumsplatz anbieten möchten, müssen grundsätzlich die gleichen inhaltlichen Anforderungen wie für die KV-Ausbildung erfüllen. Sie verpflichten sich für die Begleitung der HMS-Absolvierenden für ein Jahr.