Kundengeschenke: USB-Stick ist passé

Ein Kundengeschenk soll Wertschätzung zeigen, aber nicht nur das: Es soll nicht in der Schublade oder im Abfall landen. Gefragt sind deshalb Dinge, die im Alltag tatsächlich gebraucht werden.

Bild: KI generiert

Vom Trinkbecher bis zum Rucksack: Bei Kundengeschenken zählt heute vor allem, ob sie tatsächlich gebraucht werden.

«Ein gutes Kundengeschenk beginnt nicht beim Produkt allein, sondern bei der Frage: Was möchten wir beim Empfänger auslösen?» Für Kaspar Benz, Managing Director bei der auf Werbeartikel spezialisierten Pandinavia AG in Dietlikon, ist das der Ausgangspunkt. Denn Wein, Schokolade oder die nächste Powerbank mit Firmenlogo sind zwar naheliegend, aber längst nicht automatisch gute Geschenke. Ein Kundengeschenk soll Wertschätzung vermitteln und im besten Fall positiv in Erinnerung bleiben. Idealerweise landet es nicht schon im Januar, kurz nach Weihnachten im Abfall, sondern begleitet den Empfänger noch lange im Alltag. Für KMU stellt sich damit eine durchaus strategische Frage: Was passt zum Unternehmen, zum Kunden und zur Geschäftsbeziehung?

Nützlich statt beliebig

An einem Grundsatz hat sich laut Kasper Benz wenig verändert: «Die erfolgreichsten Kundengeschenke sind jene, die im Alltag genutzt werden.» Verändert haben sich allerdings die Produkte. Das zeigt sich besonders bei technischen Gadgets. Vor zehn oder fünfzehn Jahren gehörte der USB-Stick fast selbstverständlich zum Sortiment der Werbeartikel. Heute wird er kaum noch nachgefragt. Dafür sind neue Kategorien entstanden, etwa RFID-Schutzprodukte oder MagSafe-kompatible Accessoires für Smartphones. Daneben halten sich einige Klassiker wie Taschen, Rucksäcke, Trinkflaschen oder Caps. Sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie werden gebraucht und sind lange sichtbar. Ebenfalls beliebt sind Geschenkboxen, insbesondere wenn sie einen regionalen Bezug haben.

«Ein clever ausgewähltes Produkt für 25 Franken kann manchmal mehr Wirkung erzielen als ein beliebiges Geschenk für 80 Franken»

Kaspar Benz, Managing Director bei der auf Werbeartikel spezialisierten Pandinavia AG in Dietlikon

Wie wichtig der praktische Nutzen ist, zeigt auch eine von Twing, einem Schweizer Anbieter von Werbeartikeln, im September 2023 durchgeführte Umfrage unter rund 200 Personen aus Marketing, HR und Geschäftsleitungen. Bei der Auswahl von Werbe- oder Mitarbeitergeschenken nannten je 66 Prozent der Befragten Nutzen und Qualität als eines der drei wichtigsten Kriterien. 60 Prozent nannten Nachhaltigkeit, je 49 Prozent Kosten und den Wow-Effekt.

Logo ist nicht das Geschenk

Ein Firmenlogo allein macht noch kein gutes Kundengeschenk. Ein Produkt werde nicht deshalb benutzt, weil ein Logo darauf gedruckt sei, sagt Benz, sondern weil es attraktiv, nützlich und gut gestaltet sei. Das spricht auch gegen die Versuchung, ein Geschenk möglichst prominent mit dem eigenen Branding zu versehen. Bei der Gestaltung könne es sinnvoll sein, die Marke etwas freier zu interpretieren und nicht allzu starr an CI und CD festzuhalten. Schliesslich soll der Gegenstand nicht nur als Werbeträger funktionieren, sondern beim Empfänger tatsächlich Verwendung finden. Auch die Personalisierung geht heute weiter als ein aufgedruckter Name. Entscheidend sei, dass das Geschenk zur Zielgruppe passe und Wertschätzung vermittle. Benz beobachtet zudem einen Trend zu kleineren Stückzahlen und hochwertigeren Produkten. Ein durchdachtes, relevantes Geschenk könne mehr bewirken als ein Massenartikel. Besonders stimmig seien Konzepte, bei denen Produkt, Design, Verpackung und Botschaft zusammenpassen. Teuer ist dabei nicht automatisch besser. «Ein clever ausgewähltes Produkt für 25 Franken kann manchmal mehr Wirkung erzielen als ein beliebiges Geschenk für 80 Franken», sagt Benz. Auch bei Werbeartikeln wird genauer hingeschaut. Wo wurde ein Produkt hergestellt?

Welche Materialien wurden verwendet? Und wie lange wird es voraussichtlich genutzt? Für Benz beginnt Nachhaltigkeit nicht bei einem Label oder Zertifikat. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Produkt tatsächlich gebraucht werde und langlebig sei. Ein hochwertiger Artikel, der über Jahre im Einsatz bleibt, kann sinnvoller sein als ein vermeintlich ökologisches Produkt, das nach kurzer Zeit im Abfall landet.

Geschenk kann Eigentor sein

Was gut ankommt, hängt damit weniger vom Preis als vom tatsächlichen Nutzen ab. Umgekehrt können unnütze oder qualitatschlechte Produkte schnell zum Eigentor werden. Wenn ein Artikel keinen Mehrwert bietet, keine Freude macht oder qualitativ enttäuscht, werde er entsorgt oder vergessen, sagt Benz. Das sei weder nachhaltig noch wirtschaftlich. Und manchmal geht die Kreativität in eine andere Richtung. Das kurioseste Kundengeschenk, das Benz in seiner Tätigkeit erlebt hat: bedruckte Slipeinlagen.

Beim Schenken gelten Regeln

Bei Kundengeschenken geht es allerdings nicht nur um Geschmack und Budget. Auch rechtliche und interne Vorgaben können eine Rolle spielen. Da weist der Leitfaden «Geschenke und Einladungen» von Transparency International Schweiz und dem SECO zur Korruptionsprävention in KMU hin. Geschenke und Einladungen können zwar zur Pflege von Geschäftsbeziehungen gehören. Sie dürfen jedoch keine Geschäftsentscheide beeinflussen oder auch nur den Anschein einer solchen Einflussnahme erwecken. Eine allgemeine gesetzliche Frankenlimite für private Geschäftsbeziehungen gibt es in der Schweiz nicht. Entscheidend sind vielmehr die Umstände des Einzelfalls – etwa Wert, Zeitpunkt, Häufigkeit und Zweck der Zuwendung. Für Amtsträger gelten besondere gesetzliche Regeln; zusätzlich können Unternehmen eigene Limiten festlegen.
Für KMU lohnt sich deshalb vor dem Versand ein Check: Welche Regeln gelten beim Empfänger? Gibt es interne Wertlimiten? Läuft gerade eine Ausschreibung oder ein Entscheidverfahren?

Weihnachten früh vorbereiten

Weihnachten scheint zwar noch in weiter Ferne, und doch stellt sich die Frage: Wann sollte man mit der Planung des Kunden-Weihnachtsgeschenks starten? «Wer mit einem Standardprodukt aus dem Katalog zufrieden ist, kann auch im Herbst noch bestellen», sagt Kaspar Benz. Wer dagegen ein eigenes Design, eine spezielle Verpackung, eine Veredelung oder eine Sonderanfertigung plant, sollte deutlich früher dran sein. Für individuellere Projekte empfiehlt sie, bereits im Sommer mit
der Planung zu beginnen – idealerweise spätestens im Juli.

Anna Birkenmeier

Redaktion Zürcher Wirtschaft

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