Vom Temporärmitarbeiter zum Teamleiter
Florian Ratnam prägt seit 2013 die Erfolgsgeschichte der Faigle AG. Im Interview spricht der diplomierte Prozesstechniker über den Sprung vom Kollegen zum Chef, den Umgang mit Zielkonflikten und einen Gitarrenverstärker, der aktuell noch als Zeitungsablage dient.
17. August 2026
Florian Ratnam leitet heute bei Faigle zwei Teams.
Du hast im Oktober 2013 als Temporär-Hilfsarbeiter bei Faigle angefangen und führst heute als Teamleiter ein 14-köpfiges Team in der Reglage und im Lager. Wie blickst du auf diesen beeindruckenden Karriereweg zurück?
Florian Ratnam: Es ist schmeichelhaft, wenn schon die Frage besagt, dass mein Weg beeindruckend ist. Am liebsten würde ich das Ganze als eine grosse Geschichte erzählen, um all den Menschen gerecht zu werden, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Als ich damals bei Faigle anfing, hätte ich mir niemals erträumen lassen, einmal die Verantwortung für zwei Abteilungen zu tragen. Stell dir vor: Mein allererster Vorgesetzter musste mich erst einmal diskret darauf hinweisen, dass man hier nicht in Trainerhosen arbeitet! Ich bekam über die Jahre immer wieder die Chance, mich zu beweisen: vom Hilfsarbeiter über eine Springerfunktion zwischen drei Abteilungen zum stellvertretenden Reglageleiter, über den Reglageleiter bis hin zur zusätzlichen Führung des Lagerteams. Ich bin meinen Vorgängern extrem dankbar. Sie haben mich enorm wohlwollend auf meine Rollen vorbereitet. Ohne sie wäre dieser Weg nicht so reibungslos verlaufen.
14 Mitarbeitende zu führen bringt viel Verantwortung mit sich. Wie bist du in diese Führungsrolle reingewachsen, und was ist dabei deine grösste persönliche Herausforderung?
Ratnam: Ich hatte das grosse Glück, dass eine Arbeitskollegin zur gleichen Zeit befördert wurde. So konnten wir gemeinsam in die neue Verantwortung hineinwachsen und uns eng mit unserem damaligen Chef austauschen. Zu Beginn war es trotzdem nicht leicht, plötzlich die Abteilung zu leiten, in der ich selbst eingearbeitet worden war. Ich dachte oft: Ich bin im Vergleich zu den Kollegen in der Reglage noch so jung und unerfahren. Geholfen hat mir mein Praxiswissen: Weil ich genau wusste, wie die Handgriffe am Arbeitsplatz aussehen, konnten wir uns von Tag eins an auf Augenhöhe unterhalten. Anfangs wollte ich es natürlich allen recht machen – man kann sich vorstellen, wie das herauskam. Heute ist meine grösste Herausforderung, wenn Entscheidungen gefällt werden, hinter denen ich selbst vielleicht nicht zu 100 Prozent stehe. Wenn man das dann mittragen muss, obwohl es nicht ganz im Einklang mit den eigenen Werten steht, beschäftigt einen das schon. Aber ich finde es gut, dass mich diese Dinge nicht kaltlassen. Echtes Mitgefühl gehört für mich zu guter Führung einfach dazu.
Du hast ursprünglich eine Lehre als Automechaniker gemacht und wolltest als Kind eigentlich Polizist werden. Bei Faigle hast du dann einen völlig anderen Weg eingeschlagen und dich stetig weitergebildet. Wie sah dieser Weg aus?
Ratnam: Knapp ein Jahr nach meinem Start als Teamleiter habe ich mich für die Höhere Fachschule in Unternehmensprozessen angemeldet – mittlerweile heisst dieser Bildungsgang Prozesstechniker. Während der Ausbildung bot sich mir die Möglichkeit, mich zusätzlich für den Lehrgang zum Prozessfachmann mit eidg. Fachausweis anzumelden. Ich nutzte die Chance, da ich leichtsinnig dachte: «Wenn ich eh schon am Studieren bin, mache ich das am besten gleich in einem Aufwisch.» Es war eine extrem anstrengende Zeit, aber wenn ich heute auf die Abschlüsse blicke, hat sich jeder Aufwand gelohnt.
Nach so viel Lernstress hast du nun also wieder deutlich mehr freie Zeit zur Verfügung. Wie nutzt du diesen neu gewonnenen Freiraum als Ausgleich zum Job?
Ratnam: Lange Zeit hatte ich wegen des Lernens natürlich eine perfekte Ausrede, warum ich meine privaten Projekte vor mir hergeschoben habe. Jetzt, wo ich alles erfolgreich abgeschlossen habe, gilt das nicht mehr und ich habe plötzlich wieder freie Zeit. Ich habe schon ewig eine E-Gitarre zu Hause, auf der ich unbedingt spielen lernen möchte. Aktuell dient der dazugehörige Verstärker aber ehrlich gesagt noch als Zeitungsablage. In der Schule lernt man ja, kreativ in Lösungen zu denken – das gilt bei mir nun eben ebenso für meine Ausreden, das Projekt endlich anzugehen (lacht). Im Gegenzug komme ich wieder regelmässig zu meinem Ausgleich im Krafttraining, beim Squash oder ich nutze mein heimliches Zweitdiplom und mixe ab und zu ein paar Drinks.
Wo siehst du dich in zehn Jahren – beruflich wie persönlich?
Ratnam: Ich habe gelernt, dass zu weites Vorausplanen reine Zeitverschwendung ist. Das Leben kommt meistens eh anders. Wenn ich in zehn Jahren von den Menschen umgeben bin, die mir wichtig sind – und dazu zählen eben auch viele echte Freunde, die ich über die Jahre bei Faigle gewonnen habe –, dann bin ich vollkommen zufrieden.
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