Mercosur im Aufbruch: Wie KMU vom Wachstumsschub profitieren können

Zwischen Atlantik und Anden entsteht ein Markt im Umbruch: Der Mercosur investiert in Industrie, Energie und Infrastruktur – und öffnet damit Türen für spezialisierte Schweizer KMU.

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Hafen von Vitória, Brasilien: Sinnbild für das Exportpotenzial der Mercosur-Staaten.

von Claude Lauper*

Vier Länder im Investitionsmodus

In Brasilien setzt die Initiative «Nova Indústria Brasil» den Rahmen für eine modernere, digitalere und CO2-ärmere Industrie. Argentinien rückt mit seinen Lithiumvorkommen ins Zentrum neuer Energie- und Batteriewertschöpfungsketten. Uruguay nutzt seinen nahezu vollständig erneuerbaren Strommix, um sich als Standort für grüne Industrie und Wasserstoffprojekte zu etablieren. Paraguay wiederum kombiniert günstige Wasserkraft mit Investitionen in Logistik, Stromnetze und industrielle Integration.

So unterschiedlich die vier Länder sind: Überall entsteht eine Nachfrage nach Lösungen, die Prozesse effizienter machen, Ressourcen schonen und Wettbewerbsfähigkeit steigern. Genau hier liegt das Potenzial für Schweizer KMU mit spezialisierten Produkten und Dienstleistungen.

Wo Schweizer Lösungen gefragt sind

Ob Produktionsanlagen, die Stillstände reduzieren, Technologien zur Einsparung von Energie und Wasser, präzise Sensorik und Automatisierung oder Medizintechnik für eine bessere Versorgung: In vielen Mercosur-Projekten geht es nicht nur um Kosten, sondern um Zuverlässigkeit, Qualität und langfristige Effizienzgewinne.

Für Schweizer Unternehmen kann die Region damit weit mehr sein als ein zusätzlicher Absatzkanal. Sie bietet die Möglichkeit, sich früh in Wertschöpfungsketten rund um kritische Rohstoffe, erneuerbare Energien, Agrartechnologie und nachhaltige Industrieproduktion zu verankern – und gleichzeitig die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Erfolg braucht Vorbereitung – und Absicherung

Der Weg in den Mercosur ist dennoch kein Selbstläufer. Unterschiedliche Regulierungen, Steuer- und Zollsysteme, Währungsvolatilität und politische Schwankungen verlangen eine saubere Vorbereitung. Dazu gehören eine klare Fokussierung auf prioritäre Länder, sorgfältig ausgewählte lokale Partner, solide Verträge sowie durchdachte Zahlungs- und Lieferbedingungen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Handels- und Finanzierungslösungen wie Akkreditive, Garantien, die der Absicherung von Zahlungs-, Liefer- sowie Länderrisiken dienen. Ergänzend gewinnen Beratungsleistungen zum Markteintritt an Gewicht – von der Strukturierung von Exportgeschäften bis zur Einschätzung von Compliance- und Wechselkursrisiken. Wer diese Themen früh klärt, erhöht die Chancen, vom Wachstumsschub in der Region nachhaltig zu profitieren.

*Autor Claude Lauper ist Leiter International Business & Risk Management bei der Zürcher Kantonalbank

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