Bonitätsprüfungen schützen vor Verlusten

Die Unternehmensinsolvenzen haben, befeuert von einer Gesetzesänderung, einen neuen Höchststand erreicht. Wenn täglich schweizweit 70 Firmen in die Pleite schliddern, ist Vorsicht am Platz. Gläubiger schützen sich am besten mit Bonitätsprüfungen. Damit tragen sie auch Sorge zu ihrer eigenen Liquidität.

Grafik Creditreform

Es werden immer mehr: Unternehmenskonkurse seit 2018 im monatlichen Vergleich.

Im März dieses Jahres verzeichneten die Unternehmensinsolvenzen ein monatliches Allzeithoch. Nimmt man die Werte der Jahre 2018 und 2019 als Massstab, dann hat sich die Zahl der Firmenpleiten um rund das Zweieinhalbfache erhöht. Das ist eine schier unglaubliche Steigerung. Männiglich war mit Nachholeffekten der Covid 19 – Massnahmen zur Stützung gefährdeter Betriebe gerechnet worden. Denn dank dieser Covid-Hilfen wurden Unternehmen unterstützt, über die längst der Pleitegeier geschwebt hatte. Es gab zwar in den Jahren 2022 bis 2024 durchaus mehr Konkurse, doch bei weitem nicht in dem Ausmass, wie sie seit gut einem Jahr verzeichnet werden. Für die jüngste, gewaltige Konkurswelle zeichnet sich eine gewollte Gesetzesänderung verantwortlich. Seit Jahresbeginn 2025 müssen öffentlich-rechtliche Forderungen auch auf Konkurs betrieben werden. Zuvor war eine Betreibung auf Pfändung möglich gewesen. Die Beseitigung dieser Ungleichbehandlung war längst überfällig. Diese hatte nur dazu geführt, dass Firmen ihren Zahlungsverpflichtungen bei den öffentlich-rechtlichen Forderungen zu wenig nachgekommen sind und so künstlich am Leben gehalten wurden. Die privaten Unternehmen hingegen mussten auf Konkurs betreiben. Und wer auf Konkurs betreibt, muss einen Kostenvorschuss leisten. Das Risiko, auf diesem sitzenzubleiben, ist hoch, denn mehr als 55 % der Konkursverfahren werden mangels Aktiven eingestellt. So hatte der Staat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass eigentlich konkursite Firmen sich noch auf den Märkten tummelten. Damit ist es nun vorbei.

Mehr Pleiten 2026 nach dem Rekordjahr 2025

2026 dürfte es nach dem Rekordjahr 2025 nochmals deutlich mehr Pleiten geben. Ein Ende ist zurzeit nicht absehbar. Denn die jüngste Konkurswelle wird zusätzlich befeuert durch eine ganze Reihe von neuen Risiken und Herausforderungen:

• die Kriege in Osteuropa und im Nahen Osten mit unabsehbaren Folgen für Energiepreise und weltwirtschaftliche Entwicklung
• die Unberechenbarkeit vieler politischer Entscheidungen, die Planung und Investition erschweren
• die digitale Revolution, die nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Firmen gefährdet, die den Anschluss verpassen
• der boomende Onlinehandel ausländischer Anbieter, der vor allem dem Detailhandel Umsatzprozente kostet.

Das schafft ein Klima der Unsicherheit, das sich etwa in den Einkaufsmanager-Indices ablesen lässt. Sie spiegeln die Erwartungshaltung, die sich seit längerem im Nirgendwo zwischen Hoffen und Bangen bewegt.

Liquiditätsmanagement und Bonitätsprüfungen

In solch volatilen Zeiten tun zwei Dinge not: Liquiditätsmanagement und Bonitätsprüfungen. Es gilt, eine stets ausreichende Liquidität in der Hinterhand zu behalten, um für Unabwägbarkeiten gerüstet zu sein – ohne sich deshalb unternehmerischer Chancen zu berauben. Dieses Geld kommt primär aus einer Quelle: den Kundinnen und Kunden. Jede unbezahlte Rechnung nagt an der Liquidität, sei es, weil zusätzliche Kosten für das Eintreiben der Forderungen entstehen oder weil diese gleich ganz abgeschrieben werden muss.

Hier gilt es, mit konsequenten Bonitätsprüfungen vor jedem Geschäftsabschluss Präventionsarbeit zu leisten. Creditreform unterstützt dabei mit seinen bewährten Bonitätsauskünften, die rasche Entscheidungen erlauben. Noch besser aber ist es, die Kunden auf Bonitätsveränderungen hin zu überwachen, um sofort reagieren zu können. Die Erfahrung lehrt, dass sich damit Debitorenverluste im Ausmass von bis zu zwei Umsatzprozenten vermeiden lassen.

Wenn eine Zahlung dann doch mal ausbleibt, gilt es, dranzubleiben: mit höflich formulierten, konsequenten Mahnungen auf den Zahlungsausstand hinweisen, klare Fristen setzen und Gesprächsbereitschaft signalisieren. Hilfreich ist dabei der Hinweis auf eine Inkassofirma wie Creditreform, an die das Dossier bei Ausbleiben der Zahlung übergeben wird. Nur wer seine offenen Forderungen aktiv bewirtschaftet, sichert sich auch die für den Fortbestand notwendige Liquidität.

Raoul Egeli

Präsident des Schweiz. Verbandes Creditreform
und Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften
in Basel, Bern, Lugano, St. Gallen und Zürich.
Vizepräsident im Branchenverband Inkasso Suisse.

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