Geberit: Vom Holzspülkasten zum Weltkonzern
Mehr als Toiletten und Spülkästen: Beim Besuch von Geberit in Rapperswil Jona erhielten die KMU Frauen (und Männer) spannende Einblicke in die Geschichte, Innovationen und den Erfolg eines Schweizer Traditionsunternehmens.
8. Juni 2026
KMU Frauen (und Männer) bei Geberit in Rapperswil Jona.
«An was denken Sie, wenn Sie Geberit hören?» Die Antwort kommt prompt: «An Toiletten natürlich.» Gelächter im Raum. Der Einstieg von Hansjürg Kläsi, Leiter Geberit Informationszentrum beim KMU-Frauen-Anlass sitzt. Tatsächlich verbinden die meisten Menschen den Namen Geberit mit Spülkästen und Sanitäranlagen. Dabei verbirgt sich hinter dem Namen einer der erfolgreichsten Industriekonzerne der Schweiz.
Auf Einladung von Jacqueline Hofer, die den Anlass der KMU Frauen einmal mehr mit viel Engagement organisierte, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, das seit 150 Jahren Schweizer Industriegeschichte schreibt.
150 Jahre Unternehmensgeschichte
Im Informationszentrum nahm Hansjürg Kläsi die Gäste mit auf eine Reise durch die bewegte Entwicklung des Unternehmens. Was 1874 als kleiner Installationsbetrieb von Caspar Gebert in der Rapperswiler Altstadt begann, entwickelte sich zu einem weltweit führenden Anbieter von Sanitärlösungen. Bereits um die Jahrhundertwende entstanden die ersten Spülkästen aus Holz – der Grundstein für den späteren Erfolg.
Mit dem Wechsel zu Kunststoffspülkästen, dem ersten Unterputzspülkasten und dem frühen Einstieg in die Dusch-WC-Technologie setzte Geberit immer wieder neue Standards in der Branche. Gleichzeitig wuchs das Unternehmen kontinuierlich und erweiterte sein Angebot durch gezielte Akquisitionen vom Sanitärspezialisten zum Komplettanbieter für Badezimmerlösungen.
Heute beschäftigt Geberit rund 12’000 Mitarbeitende weltweit, erzielt einen Jahresumsatz von über drei Milliarden Franken und ist in mehr als 50 Ländern vertreten. Produziert wird überwiegend in Europa, wobei Deutschland vor der Schweiz den wichtigsten Absatzmarkt bildet.
Hightech hinter den Kulissen
Wie viel Technologie und Präzision hinter den Produkten von Geberit steckt, wurde beim anschliessenden Rundgang durch die Produktionsgesellschaft in Jona deutlich. Rico Schneider führte die Besucherinnen durch das Werk, in dem rund 400 Mitarbeitende im Dreischichtbetrieb tätig sind. Die Anlagen laufen rund um die Uhr – und die Nachfrage bleibt hoch. «Die Auftragslage ist unverändert stark», erklärte Schneider.
Im Zentrum der Produktion steht der Kunststoffspritzguss. Kunststoffgranulat wird erhitzt, in hochpräzise Formen eingespritzt und anschliessend zu fertigen Bauteilen verarbeitet. So entstehen unter anderem Komponenten für Abwasser- und Trinkwassersysteme sowie die bekannten Betätigungsplatten.
Besonders beeindruckte der hohe Automatisierungsgrad. Teilweise überwacht eine einzige Fachkraft gleichzeitig sechs Spritzgussanlagen, auf denen pro Stunde rund 100 Betätigungsplatten produziert werden. Für Schneider ist diese Effizienz ein entscheidender Erfolgsfaktor: Nur mit modernster Automation könne der Produktionsstandort Schweiz langfristig wettbewerbsfähig bleiben.
Für Schmunzeln sorgte ein Detail am Rande: Die Roboter tragen allesamt Frauennamen, die Verteilwagen männliche.
Innovation bis ins Detail
Der hohe Entwicklungsanspruch zeigt sich auch im Bereich Trinkwasser. Hier arbeiten die Entwickler daran, Rohrsysteme so zu gestalten, dass möglichst geringe Druckverluste entstehen. Dafür kommen komplexe Verfahren wie die zweistufige Spritzgusstechnik oder die sogenannte Wendeplattentechnologie zum Einsatz. Die Entwicklungsarbeit findet dabei direkt in Jona statt. Insgesamt stehen dort rund 100 Spritzgussanlagen im Einsatz.
Nachhaltigkeit als Teil des Prozesses
Neben Innovation und Effizienz setzt Geberit auch auf Nachhaltigkeit. Im Werk wird darauf geachtet, Ressourcen möglichst im Kreislauf zu halten: Kunststoffreste aus der Produktion werden wiederaufbereitet und erneut dem Fertigungsprozess zugeführt. Auch beim Wasserverbrauch verfolgt das Unternehmen ein ressourcenschonendes Konzept: Das für die Maschinen benötigte Kühlwasser zirkuliert in einem geschlossenen System und muss lediglich einmal pro Jahr ersetzt werden.
Bei der Entwicklung neuer Produkte steht jedoch nicht allein die technische Leistung im Vordergrund. Ebenso wichtig ist der Nutzen für die Menschen, die täglich damit arbeiten. Deshalb verfolgt Geberit das Ziel, Systeme zu entwickeln, die sich möglichst einfach und mit wenigen Handgriffen montieren lassen. Weniger Werkzeuge, kürzere Installationszeiten und durchdachte Lösungen sollen den Arbeitsalltag auf der Baustelle erleichtern und gleichzeitig die Effizienz der Fachkräfte steigern.
Menschen hinter dem Erfolg
Am Ende des Rundgangs wurde deutlich, weshalb Geberit seit Jahrzehnten erfolgreich ist. Hinter Spülkästen, Rohren und Betätigungsplatten stehen Innovationskraft, hohe Fertigungstiefe und Effizienz. Gleichzeitig sind es die Menschen, die den Erfolg des Unternehmens tragen – ganz im Sinne der Geberit-Werte: Integrität, Innovation und gemeinsamer Erfolg.
Anna Birkenmeier
Redaktion Zürcher Wirtschaft
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