Trügerische Wohn-Initiativen
Am 14. Juni stimmt Zürich über zwei linke Wohn-Initiativen ab. Beide bringen mehr staatliche Eingriffe, mehr Auflagen und mehr Unsicherheit. Damit bremsen sie genau das, was jetzt gebraucht wird: mehr Wohnungen, mehr Investitionen und schnellere und energetische Sanierungen.
22. April 2026 Thomas Hess
Handwerk und Gewerbe wären durch ein «Ja» zu den Wohn-Initiativen bedroht.
Der Wohnungsmarkt im Kanton Zürich ist angespannt. Viele Menschen suchen eine passende Wohnung, während das Angebot nicht Schritt hält. Die Wohnschutz-Initiative verspricht Entlastung – würde in der Realität aber genau das Gegenteil bewirken.
Die Initiative sieht vor, dass Gemeinden bei Wohnungsknappheit strenge Bewilligungsverfahren für Sanierungen, Umbauten und Ersatzneubauten einführen sowie Mietzinsobergrenzen festlegen können. Damit greift sie tief in den Wohnungsmarkt ein – mit weitreichenden Folgen für den Kanton Zürich.
Denn eines ist klar: Die Bevölkerung wächst, Haushalte werden kleiner, und der Bedarf pro Person steigt. Neue Wohnungen sind deshalb zentral. Sie schaffen nicht nur zusätzlichen Wohnraum, sondern bringen Bewegung in den Markt. Studien zeigen: Zieht jemand in eine Neubauwohnung, finden indirekt zwei weitere Personen eine Wohnung. Ohne Neubauten fehlt genau diese Dynamik – der Markt verstopft.
Knappheit verschärft sich
Die Wohnschutz-Initiative setzt am falschen Hebel an. Wenn Investitionen durch zusätzliche Auflagen, Mietzinsvorgaben und längere Verfahren unattraktiver werden, wird weniger gebaut und weniger saniert. Für den Kanton Zürich wird geschätzt, dass jährlich rund 500 Millionen Franken an Investitionen ausbleiben könnten.
Die Folgen sind absehbar: weniger neue Wohnungen, weniger Ersatzneubauten und weniger Modernisierungen. Damit verschärft sich die Knappheit weiter – und die Preise für neu ausgeschriebene Wohnungen steigen.
Besonders betroffen sind jene, die heute eine Wohnung suchen: junge Menschen, Familien oder Geschiedene. Während bestehende Mietverhältnisse geschützt bleiben, verteuern sich neue Mietverträge. Der Wohnungsmarkt droht sich in zwei Klassen zu teilen – mit klaren Nachteilen für alle, die neu eine Wohnung benötigen.
Gleichzeitig nimmt die Beweglichkeit im Markt ab. Wer einmal eine günstige Wohnung hat, gibt sie kaum mehr auf – selbst dann nicht, wenn sie nicht mehr zur Lebenssituation passt. Dieser «Lock-in-Effekt» reduziert die Verfügbarkeit zusätzlich und verstärkt die Knappheit unnötig. Junge Menschen, Familien oder Geschiedene finden kaum mehr eine passende Wohnung.
Weniger Aufträge fürs Gewerbe
Auch die Qualität des Wohnraums gerät unter Druck. Sanierungen werden erschwert oder wirtschaftlich unattraktiv. Investitionen in moderne Grundrisse, Energieeffizienz oder Haustechnik bleiben aus oder werden auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Langfristig führt das zu einem schleichenden Qualitätsverlust des Wohnungsbestands – zulasten der Mieterinnen und Mieter.
Für das Zürcher Gewerbe sind die Auswirkungen ebenso direkt. Weniger Neubauten und weniger Sanierungen bedeuten weniger Aufträge für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und das Gewerbe. Damit verbunden sind weniger Arbeit auf den Baustellen, mehr Unsicherheit für Betriebe und schlechtere Perspektiven für Mitarbeitende.
Die Abstimmungen vom 14. Juni sind deshalb nicht nur eine wohnpolitische Frage, sondern auch eine wirtschaftliche. Sie betreffen die Rahmenbedingungen für eine ganze Branche – und damit Arbeitsplätze und Lehrstellen im Kanton Zürich.
Verschärfung statt Lösungen
Dabei liegt die eigentliche Herausforderung längst auf dem Tisch: Projekte scheitern heute oft nicht an fehlender Nachfrage, sondern an Einsprachen, langwierigen Verfahren und politischen Blockaden. Ersatzneubauten, Verdichtungen oder Arealentwicklungen kommen nur schleppend voran. Die Wohnschutz-Initiative würde diese Probleme weiter verschärfen, statt sie zu lösen.
Die zentrale Erkenntnis ist klar: Mehr Regulierung schafft nicht mehr Wohnungen. Im Gegenteil: Sie reduziert das Angebot und verschärft die Knappheit.
Für Zürich braucht es deshalb einen anderen Weg: schnellere Verfahren, bessere Nutzung bestehender Flächen, gezielte Verdichtung und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.
Zielführender Gegenvorschlag
Genau hier setzt der Gegenvorschlag des Regierungsrates an: Ein neuer Verfassungsartikel soll Kanton und Gemeinden verpflichten, günstige Rahmenbedingungen für ein ausreichendes und bedarfsgerechtes Wohnraumangebot zu schaffen.
Anders als die Initiative setzt der Gegenvorschlag auf Rahmenbedingungen und Anreize, um den Wohnungsbau insgesamt anzukurbeln – durch weniger Regulierung, die Beschleunigung baurechtlicher Verfahren und durch die Förderung einer verdichteten Bauweise an geeigneten Orten, beispielsweise durch Aufstockungen. Nur so kann genügend Wohnraum entstehen, um die wachsende Nachfrage zu decken und die Wohnungsknappheit effektiv zu lindern.
Die Wohnschutz-Initiative hingegen würde genau diese Entwicklung blockieren – mit weniger Wohnungen, höheren Einstiegsmieten und spürbaren negativen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft im Kanton Zürich. Nein zu den Wohn-Initiativen am 14. Juni.
Thomas Hess
Geschäftsführer KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich KGV
Info
Parolen des KGV zu den zwei Wohn-Initiativen
• Kantonale Volksinitiative «Bezahlbare Wohnungen schützen. Leerkündigungen stoppen (Wohnschutz-Initiative)»: Nein zur Initiative, Ja zum Gegenvorschlag
• Kantonale Volksinitiative für mehr günstige und gemeinnützige Wohnungen («Wohnungsinitiative»): Nein zur Initiative, Ja zum Gegenvorschlag
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