Rechtliche und steuerrechtliche Aspekte bei Start-up-Gründung
Die Gründung eines Start-ups ist ein spannender und zugleich herausfordernder Prozess. Neben der Entwicklung einer innovativen Geschäftsidee spielen rechtliche und steuerrechtliche Überlegungen eine entscheidende Rolle. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekte, die Gründer kennen sollten. Von Fabian Petrus, OBT AG.
19. Mai 2026
Zum Autor: Fabian Petrus ist Leiter Steuern und Recht und ist Mitglied der Geschäftsleitung sowie Partner bei OBT AG
Wahl der Rechtsform
Ein zentraler Schritt bei der Gründung ist die Auswahl der passenden Rechtsform. Sie beeinflusst Haftung, Besteuerung, Finanzierungsmöglichkeiten sowie administrative Anforderungen.
Die einfachste Form der Gründung ist wohl das Einzelunternehmen oder die Personengesellschaft. Es besteht jedoch volle persönliche Haftung, was insbesondere bei risikobehafteten Geschäftsmodellen problematisch sein kann.
Attraktivere Optionen für Start-ups sind Kapitalgesellschaften, insbesondere die Aktiengesellschaft (AG) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Ein Vorteil bei der AG liegt sicherlich darin, dass diese investorenfreundlicher ist, da die Übertragung der Aktien einfacher ist als bei der GmbH und die Beteiligten anonym bleiben (keine Eintragung ins Handelsregister).
Gesellschaftsvereinbarungen, Verantwortlichkeiten
In der Praxis beteiligen sich häufig mehrere Personen an einem Start-up. In diesem Zusammenhang ist es von Anfang an sehr wichtig, eine Gesellschaftsvereinbarung (bspw. einen sog. Aktionärsbindungsvertrag) zu vereinbaren.
Mit einer solchen Vereinbarung können verschiedene Aspekte geregelt werden, beispielsweise die Rollen und Verantwortlichkeiten, Entscheidungsprozesse, der Umgang mit Konflikten, Exit-Szenarien, die Aufnahme neuer Investoren oder die Dividendenpolitik.
Eine solche Vereinbarung ist zum Zeitpunkt der Gründung vorzunehmen. Es zeigt sich häufig in der Praxis, dass zu diesem Zeitpunkt die Gründer eins sind und es einfacher ist, eine Vereinbarung für die Zukunft zu erzielen.
Vertragsrechtliche Grundlagen
Je nach Art der Tätigkeiten sind verschiedene vertragsrechtliche Grundlagen zu erarbeiten. Es ist beispielsweise auch zu prüfen, ob eine Bewilligung für die Aufnahme der Tätigkeit vorhanden sein muss.
Im Weiteren ist es von Anfang an wichtig, dass das Start-up über Arbeitsverträge und allgemeine Geschäftsbedingungen verfügt und Datenschutz- und Compliance-konform handelt.
Wenn Finanzierungen von Dritten, aber auch von den Gründern erfolgen, sind diesbezügliche Verträge unbedingt abzuschliessen.
Steuerliche Aspekte Start-up
Je nach Wahl der Rechtsform fallen die Steuerfolgen unterschiedlich aus. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften werden die Gewinne direkt bei den Gründern besteuert, inkl. Sozialabgaben.
Bei Kapitalgesellschaften werden die Gewinne auf Ebene der Gesellschaft besteuert. Hier könnte der Standort entscheidend sein, da die Kapitalgesellschaft grundsätzlich am Sitz der Gesellschaft besteuert wird und kantonale Differenzen gegeben sind. Die Aktionäre ihrerseits haben Dividenden, sofern solche ausgeschüttet werden, privat zu versteuern (evtl. privilegierte Besteuerung).
Sofern das Start-up einen Umsatz von mehr als CHF 100’000.– pro Jahr erzielt, muss sich das Start-up bei der MWST registrieren.
Struktur
Die Gesellschaftsstruktur ist hinsichtlich späterer Finanzierungen frühzeitig zu planen, aber auch hinsichtlich Steueroptimierungen während des Aufbaus wie auch bei einem allfälligen Exit.
Bei einem Exit möchten – insbesondere die Aktionäre mit Wohnsitz in der Schweiz – einen steuerfreien Kapitalgewinn realisieren. Dies ist bei der Strukturierung mitzuberücksichtigen.
Fazit
Der Start in die Selbstständigkeit ist mehr als die Umsetzung einer innovativen Idee. Rechtliche und steuerrechtliche Faktoren bilden das Fundament. Die Wahl der Rechtsform, gut durchdachte Verträge und die frühzeitige Berücksichtigung steuerlicher Rahmenbedingungen helfen, Risiken zu minimieren und Wachstumspotenziale zu nutzen.
Start-ups, die diese Grundlagen von Beginn an professionell gestalten, verschaffen sich einen erheblichen Vorteil – sowohl gegenüber Investoren als auch im operativen Geschäft.
Die Auswahl der Rechtsform ist bei der Gründung zentral.
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