Neues Jahr, neues Glück. Wo aber findet es Sie?

Fürs Glück braucht es mehr als Glück. Manche wollen es erzwingen – und verpassen es am sichersten. Andere erwarten es untätig – und warten umsonst.

Mit dem Glück müssen wir zusammenarbeiten. Uns empfänglich machen für den Glücksfall. Uns so attraktiv herrichten, dass das Glück, falls es zufällig durch die Gegend streift, uns nicht übersieht, sondern neugierig wird: Siehe da, ein interessanter Typ, mit ihm wäre vielleicht was anzufangen. Es gilt auch hier, was der Philosoph Henry David Thoreau sagt: «Nur der Tag bricht an, für den du wach bist.» Also: Wie erwachen wir für den Anbruch des glücklichen Zufalls? Simple Antwort: Indem wir uns auf den Zufall einstellen. Indem wir die Planbarkeit des Unplanbaren versuchen. Ein paar Beispiele: Albert Einstein spielte Geige (Bach), wenn er mit seiner Relativitätstheorie wieder mal strandete; das lockerte seine Synapsen – und die provozierten den genialen Einfall. Archimedes, der altgriechische Daniel Düsentrieb (erfand Flaschenzüge, Schrauben, Kriegsmaschinen), ging baden, sobald sein Erfindungsgenie stockte – und im Wasser fiel ihm gleich sein «Archimedes-Prinzip» ein, das bis heute gültig ist (die Erklärung, warum Schiffe schwimmen, wenn sie Wasser verdrängen). Wo findet Sie das Glück?

Geburtsstunde des Zauberberg-Business

Vielleicht beginnen Sie wie Alexander Spengler (ja, ja, Spengler-Cup), ein Davoser Arzt, der eine Therapie für Tuberkulose entdeckte: das Höhenklima. Dauernd in Sorge um die Lungenkranken in seiner Praxis, gegen die kein medizinisches Kraut gewachsen war, wanderte er um 1880 über die Bündner Höhen. Da sah er, wie die Bauern das Fleisch an die Luft hängen (Bündnerfleisch!). Moment mal, dachte er, dann trocknet diese famose Höhenluft vielleicht auch die nassen Lungen meiner Patienten. Es war die Geburtsstunde des Zauberberg-Business. Der Sprung in die Zukunft passiert also nebenher. Beim Musizieren, beim Baden, beim Wandern schlägt der Geistesblitz ein. Bloss halt nicht bei jedem. Einstein und Archimedes hatten sich an ihrem Problem unermüdlich abgemüht. Wie Dr. Spengler, sonst hätte er, Bündnerfleisch vor Augen, nichts als Appetit gekriegt. Alle drei gingen heftig schwanger mit dem Problem. Die Geburt der Lösung ergab sich scheinbar zufällig.

Flirt mit dem Neuen

Typisch für den Flirt mit dem Neuen. Er reüssiert nicht beim Geradeaus-Forschen. Sondern wenn wir mal Pause machen von Fixiertsein aufs Problem – aber nicht in der «Auszeit», wenn wir vom Glück im Nichtstun träumen. Sondern wenn wir unsere Köpfe durchlüften, Antennen ausfahren in ganz andere Regionen. Und dabei empfänglich werden fürs Unplanbare, Unbekannte, Zufällige. So werden wir wach fürs Glück. Es spukt schon durch die Gegend. Wir müssen nur unsere Nase verfeinern – für das, was in der Luft liegt. Indem wir sie da hineinstecken, wo unsere Fachkompetenz nicht hinreicht: in die Künste, in Mentalitäten der Jungen, in Raffinessen anderer Branchen. Wohin auch immer, Hauptsache: Hinaus aus dem vertrauten Domizil!

Ludwig Hasler

Philosoph, Physiker, Autor und Menschenkenner lhasler@duebinet.ch

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