Herbstkongress: Next Generation 2054
Am KGV-Herbstkongress in Winterthur wurden von einer Kabarettistin auf unterhaltsame Art und auf einem Podium die Bedürfnisse der nachfolgenden Generationen als Träger der Gewerbevereine beleuchtet.
20. November 2025 Mark Gasser
Im Jahr 2054 wird der KGV 200-jährig, 2029 bereits 175 Jahre alt. KGV-Präsident Werner Scherrer begrüsste rund 200 Gäste aus Gewerbevereinen, Politik und Sponsoring im Casinotheater Winterthur. Er nannte das Programm eine «präsidiale Herzensangelegenheit», der er sich auf der Bühne im Rahmen eines Podiums gleich selber widmete. Das Motto des Abends: «Als KGV 2054 immer noch gefragt sein».
Von Jugend geprägt war zunächst auch der Unterhaltungsteil. Mit Julia Steiner betrat eine junge Kabarettistin die Bühne, die ihre Weltsicht auf humorvolle Weise kundtat. Ihr Programm «warum du morgen noch leben könntest», beleuchtete in unterschiedlichen, teils autobiografischen Schilderungen, immer wieder Generationenkonflikte mit Augenzwinkern.
Gen Z und Arbeit
So schilderte Steiner einen Tag mit ihrer Oma, ihrer Mutter und ihren Geschwistern, der angesichts einer Diskussion über Sinn und Unsinn von Internet und Social Media zu eskalieren drohte. Wäre da nicht das grosse verbindende Element gewesen: Monopoly, ein profanes Brettspiel.
Die Pointe: Dass alle am gleichen Tisch sitzen, setzt ungeahnte Energie frei. «Wir sollten offen, mutig bleiben, den Jungen zuhören. Und natürlich ist es nicht einfach», sagte die Gen-Z-Vertreterin. Ihre Botschaft: Mit den Jungen ist nicht alles verloren.
Eine weitere Geschichte handelte von ihrer Zeit in einem Nebenjob in einem Modegeschäft. Aus einem unmotivierten Arbeitstag wurde ein Tag voller Algorhithmus-gesteuerten, Dopamin-gesättigten Videokonsums, bis sie nachts um 3 auf einem Video landete: «Unsere Erfahrungen mit Aluminiumdruckguss.»
Sie schloss mit einem Gedicht («wie wir arbeiten wollen») und der Erkenntnis: Arbeit ist nicht alles. Auf der Karriereleiter Schritt für Schritt zugrunde gehen, gehört nicht zum Karriereplan von Gen Z. Subtil forderte sie mehr Diversität, Freiraum, aber auch Vorbilder aus Fleisch und Blut.
Fokus: Next Generation 2054
Werner Scherrer nahm den Faden auf und erwähnte seinen eigenen Mut: «Ich wusste nicht, was ich mit Julia Steiner einkaufe». Ihre Bissigkeit war ein Steilpass fürs anschliessende Podium: Eine Unternehmerin und drei Unternehmer tauschten Ideen aus zum Thema Next Generation 2054.
Samuel Rudolf von Rohr, Präsident des Handwerks- und Gewerbevereins HGV-Adliswil, hat KGV-Präsident Scherrer bei einem Disput kennengelernt – und gemerkt, dass man trotz allen Differenzen miteinander sprechen könne. Das KMU-Netzwerk unterstützt sich gegenseitig – und verträgt gelegentlich auch etwas Reibung. Er sei während Corona dem HGV-Vorstand beigetreten, um mitzugestalten. Seither seien einige Junge seinem Beispiel gefolgt und nachgerückt. Die weiteren Junggewerbler: Die Bauführerin Jill Brunner (29), im Vorstand von KMU + Gewerbe Dietikon, der Leiter der Kommission Junggwerbler Michael Angstmann (41), ebenfalls im Baugewerbe tätig, sowie Nicolas Fink (28), Architekt in Winterthur und im Gewerbeverein Wiesendangen, komplettierten die Runde.
Fink stieg direkt mit dem Hinweis ein, «dass einige Situationen vielleicht eingefahren sind, die Älteren vielleicht etwas besser auf die jüngeren eingehen müssten». Scherrer fragte nach der Motivation, sich in Gewerbevereinen zu engagieren. Bei Michael Angstmann ergab sich vieles aus der Familiengeschichte: Der Vater hatte bereits ein intaktes Netzwerk im Gewerbeverein. Und er empfand das Engagement auch als ein Weg, «etwas zu bewegen». Geschäfte wurden früher «am Stammtisch vergeben», so Angstmann. Als er selber in den Vorstand kam, wurde das angesprochen: Überalterung, neue Mitglieder gewinnen – daraus entstand dann der Junggewerbler-Anlass und die entsprechende Kommission.
Scherrer fragte nach dem Wert, den man als Präsident oder Vorstandsmitglied eines Gewerbevereins hat. «Es hat ganz sicher einen Stellenwert, aber nicht mehr denselben wie früher. Es ist kein ehrenvolles Amt mehr, es ist Arbeit», so der Tenor. Dennoch sei es ein Zeichen, dass man in der Region verankert ist. Die Meinung eines engagierten Gewerblers sei in der Gemeinde gefragt. Aber im Arbeitsalltag sei der Stellenwert tief. Michael Angstmann bestätigte: Die wenigsten in Dietikon wüssten, dass er im Vorstand ist. «Ich glaube, das Interesse ist nicht mehr so da wie auch schon.»
Für junge Gewerblerinnen und Gewerbler seien Gewerbevereine oft zu wenig attraktiv, resümierte Scherrer. Das spürte er auch beim Rekrutieren von Podiumsteilnehmern. «In so einer Multioptionsgesellschaft ist es nicht sexy genug, zu sagen: Da gehe ich hin, es gibt mir etwas zurück», so seine Interpretation der Rückmeldungen.
Michael Angstmann erwähnte den erste Junggwerbler-Anlass in Dietikon. Stolze 24 Anmeldungen bewiesen, dass der Anlass auf Resonanz stiess. Das war vor vier Jahren. Nach und nach kamen Anlässe hinzu im Gewerbeverein, die mehr Junge begeistern sollten. Eine attraktive Location – ein Harley-Davidson-Händler –, habe fast 80 Gäste angelockt. «Man braucht eine bestimmte Location, um das Interesse zu wecken», so Angstmann. Das spreche sich unter Jungen dann herum.
Preis nicht ausschlaggebend
«Man kennt sich, man bildet ein Vertrauen – wie früher», so Angstmann. Und wenn man einen Maler brauche, ruft man den Bekannten vom Junggewerbler-Anlass an. «Dann ist es nicht mehr eine Frage des Preises: Dann ist das Vertrauen.» Eine Wiederbelebung des Stammtisches also, in neuer Form.
Samuel von Rohr erinnerte an Corona: Es sei nichts mehr gelaufen im Verein. «Wir sind ein Event-Verein. Pures Networking, und es kommen immer die gleichen 20. Für die ist das der Stammtisch.» Während Corona kamen dann auch viele Austritte. Seither entwickle der Verein aber Ideen, um Mehrwert zu schaffen mit Anlässen und Aktivitäten, die nicht nur Networking im engeren Sinne seien und nicht immer in denselben Settings stattfänden.
Man müsse sich um die Jungen kümmern, meinte Scherrer abschliessend an die Adresse aller Gewerbevertreter. Das sichere auch die Zukunft des Verbands und der Gewerbevereinslandschaft. Neue, spannende Ansätze – das war für ihn die Quintessenz des Podiumsgesprächs. Fazit: Zukunft sichern heisst, Mut zu zeigen, die Jungen einzubeziehen.
Berufslehre stärken
Scherrer erwähnte in seiner Begrüssung einen bildungspolitischen Schildbürgerstreich der Zürcher Regierung: Die Berufsschule Uetikon. Auf dem ehemaligen Chemieareal in Uetikon soll eine 233 Mio. Franken teure Kantonsschule entstehen, aber keine Berufsfachschule wie bis anhin geplant. Die Vorlage des Regierungsrats löste auch beim Gewerbe viel Unverständnis aus. Die demografische Entwicklung – Tausende zusätzliche Jugendliche werden in den nächsten Jahren eine Lehre absolvieren – sei eine Herausforderung. «Das ärgert mich als Präsident des KGV, denn 80 Prozent aller Jugendlichen im Kanton Zürich absolvieren eine Berufslehre. Dann kann man mit uns so nicht umgehen.» Er erwarte von der Politik, dass sie den Grundsatz, beide Ausbildungsstufen zumindest gleichwertig zu behandeln, auch erfülle.
Der KGV als Veranstalter und Schirmherr feiert dieses Jahr die 20. Zürcher Berufsmesse. Scherrer dankte Hans-Ulrich Bigler, der mit der ersten Messe 2005 bereits rund 30 000 Besucher erreichte. Mittlerweile seien es bereits über 60 000. Da könne es nicht sein, dass die Berufslehre so stiefmütterlich behandelt werde.
Mark Gasser
Chefredaktor
Zürcher Wirtschaft
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