Firmenkonkurswelle und Gründungsboom
Eine Firmenkonkurswelle rollt über die Schweiz. Das liegt aktuell vor allem an einer Gesetzesänderung. Nach wie vor werden aber mehr Unternehmen gegründet. Gläubiger tun gut daran, sich mit Bonitätsprüfungen zu schützen.
25. Januar 2026
Firmenkonkurse inkl. Konkurse nach OR 731b (Creditreform).
Von Raoul Egeli
Noch nie gab es im Dezember so viele Firmenkonkurse. Es waren 1492 Firmenkonkurse. Das ist mehr als das doppelte als noch vor Covid. Nach Covid folgte eine Krise der anderen. Die Stützungsmassnahmen während der Coronakrise bewahrten viele Firmen noch vor dem Konkurs. Doch sie schützten auch konkursreife Unternehmen. Das führte zu Nachholeffekten, die durch Energiekrisen, Währungseffekte und jüngst die US-amerikanische Zollpolitik weiter verschärft wurden. Der aktuelle Ausschlag liegt allerdings in einer Gesetzesänderung begründet, von der Gläubigerinnen und Gläubiger gar profitieren. Seit Jahresbeginn müssen staatliche und öffentlich-rechtliche Institutionen ihre Firmenschuldner nämlich, wie jedes Privatunternehmen, auf Konkurs betreiben. Zuvor war eine Betreibung auf Pfändung möglich gewesen. Für den ungedeckten Betrag wurde lediglich ein Verlustschein ausgestellt. Das hatte die Konkurse so mancher Firmen nur hinausgezögert – zulasten der Gläubiger. Die Konkurskosten müssen nun wenigstens nicht alleine von den privaten Gläubigern getragen werden. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Konkursdividenden in den allermeisten Fällen diesen Aufwand nicht Wert sind.
Betrügerische Konkurse
Bedenklich ist die Entwicklung bei den betrügerischen Konkursen. Die Täter schicken dabei Strohmänner vor, die eine längst konkursite Firma auf dem Papier übernehmen, um damit nochmals gehörig Schulden anzuhäufen, die nie beglichen werden. Creditreform als der Analysespezialist stellt ein Tool bereit, das eine Früherkennung von Verdachtsfällen erlaubt, damit Gläubiger rechtzeitig etwa nur noch auf Vorkasse liefern oder die Geschäftsbeziehung beenden. Wie lange die aktuelle Konkurswelle noch anhält, ist schwer zu sagen. Viele Kantone haben die neuen Rahmenbedingungen umgesetzt. Das deutet zumindest auf eine Stabilisierung hin – auf hohem Niveau. Allerdings hinken einige Kantone in der Umsetzung der neuen Vorschriften noch hinterher. Im 2025 gab es rund 15 000 Unternehmenspleiten. Das ist der höchste je gemessene Wert. Pro Werktag sind 2025 mehr als 60 Firmen von der Bildfläche verschwunden.
Niedergang oft schleichend
Volkswirtschaftlich ist gegen Konkurse aus Gläubigersicht nichts einzuwenden. Sie sind das notwendige Korrektiv in einem System, das, getrieben von Innovation, sich laufend erneuert. Wenn ein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, hat eine Firma keine Zukunft mehr. Das können auch Betriebe sein, mit denen man seit langem Geschäfte macht. Der Niedergang kommt meistens schleichend. Gläubiger tun gut daran, sich mit konsequenten Bonitätsprüfungen vor jedem Geschäftsabschluss vor solchen Debitorenverlusten zu schützen. Das kann unter dem Strich ohne weiteres ein Umsatzprozent ausmachen. Rekordzahl an Gründungen In der aktuellen Konkurswelle fällt ein erfreulicher Gegentrend etwas unter den Radar. Denn die Schweizer Wirtschaft ist eine der innovativsten der Welt. Dafür stehen mehr als 55 000 Unternehmensgründungen im vergangenen Jahr. Auch das ist ein neuer Rekord. Zieht man davon die Firmen ab, die aus unterschiedlichsten Gründen aus den Handelsregistern gelöscht wurden, ergibt sich ein Nettowachstum von mehr als 21000 Neugründungen. Unter dem Strich nimmt die Zahl der Unternehmen damit trotz der aktuellen Firmenkonkurswelle nach wie vor zu. So soll es gerade in einem sich so rasant verändernden Umfeld und angesichts der digitalen Revolution sein. Nicht alle Businesspläne der Neugründerinnen und Neugründer funktionieren allerdings. Nach der Euphorie folgt der Unternehmensalltag, der einem Härtetest gleichkommt. Am schwierigsten ist dabei die Phase des dritten bis fünften Jahres nach der Gründung. Dann schnellt die Konkursquote deutlich nach oben. Auch davor schützen sich Gläubigerinnen und Gläubiger am effektivsten mit Bonitätsprüfungen vor jedem Geschäftsabschluss.
Info
Zur Person
Raoul Egeli geboren 1968, studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft in St. Gallen und ist seit 2008 Präsident des Schweizerischen Verbandes Creditreform und war von 2014 bis 2024 Präsident von Creditreform International mit 21 Landesgesellschaften weltweit. Er ist auch Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften in Basel, Bern, Lugano, St. Gallen und Zürich. Als Vizepräsident engagiert er sich seit 2019 für den Branchenverband Inkasso Suisse. Er leitet die EGELI Treuhand AG und war von 2009 bis 2013 Zentralpräsident von TREUHAND|SUISSE. Zudem ist er Autor mehrerer Fachbücher.
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Raoul Egeli geboren 1968, studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft in St. Gallen und ist seit 2008 Präsident des Schweizerischen Verbandes Creditreform und war von 2014 bis 2024 Präsident von Creditreform International mit 21 Landesgesellschaften weltweit. Er ist auch Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften in Basel, Bern, Lugano, St. Gallen und Zürich. Als Vizepräsident engagiert er sich seit 2019 für den Branchenverband Inkasso Suisse. Er leitet die EGELI Treuhand AG und war von 2009 bis 2013 Zentralpräsident von TREUHAND|SUISSE. Zudem ist er Autor mehrerer Fachbücher.
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