Bewährtes Elend mit Zukunft
Man muss der Zürcher Stadtpolitik eines lassen: Sie ist verlässlich. Während Start-ups kommen und gehen, Parkplätze verschwinden und Baustellen reifen wie guter Blauschimmelkäse, bleibt der Stadtrat das, was er immer war – ein Ruhepol der Gewissheit, dass alles genauso weitergeht wie bisher. Und genau deshalb müssen die bisherigen Stadträtinnen und Stadträte wiedergewählt werden.
Denn wer, wenn nicht sie, könnte glaubhaft versprechen, dass Experimente mit Verkehrsführung, Abgaben, Regulierungen und wohlmeinenden Verboten auch künftig mit der gleichen Beharrlichkeit umgesetzt werden? Kontinuität ist schliesslich ein Wert an sich. Man weiss, was man bekommt: mehr Komplexität, höhere Kosten, weniger Umsatz, längere Bewilligungsverfahren – und dazu eine Kommunikation, die erklärt, warum das alles alternativlos, nachhaltig und im Grunde ein Geschenk ist.
Ein Wechsel wäre riskant. Neue Köpfe könnten auf die Idee kommen, Dinge zu vereinfachen. Oder schlimmer: gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Das würde das fein austarierte Gleichgewicht stören, in dem man sich seit Jahren eingerichtet hat. Nein, Zürich braucht keine Überraschungen, sondern die tröstliche Gewissheit, dass jede Herausforderung mit einer Arbeitsgruppe, einer Studie und einem Provisorium beantwortet wird, deren Einführung sich dann vorsorglich verzögert.
Und dann wäre da noch Balthasar Glättli. Sein Einzug in den Stadtrat wäre nur konsequent. Nicht, weil er etwas grundsätzlich anders machen würde – das wäre ja suboptimal –, sondern weil er das bestehende System mit der nötigen rhetorischen Eleganz eines Apostels abrunden könnte. Wo andere verwalten, erklärt er. Wo Prozesse stocken, liefert er die moralische Einordnung gleich mit. Das schafft Klarheit: Man weiss wenigstens, warum etwas nicht funktioniert.
Zudem würde seine Präsenz garantieren, dass jede Debatte zuverlässig auf die grosse gesellschaftliche Flughöhe gehoben würde. Sachfragen sind schliesslich heikel, wenn man sie nicht mit Haltung, Symbolik und einem leichten Unterton pädagogischer Strenge versehen kann. Zürich liebt das. Man fühlt sich ernst genommen, belehrt und beruhigt zugleich.
So gesehen ist die Wiederwahl der bisherigen Mannschaft und die Ergänzung um Glättli kein politischer Entscheid, sondern eine Art Service public. Sie garantiert, dass Zürich auch in Zukunft das bleibt, was es heute ist: eine Stadt, die sich selbst sehr, sehr ernst nimmt und genau weiss, was gut für alle ist – auch und vor allem für Stadtzürcher KMU.
Fazit: Augen zu, die immer gleichen ideologischen Köpfe wählen, weitermachen wie bisher. Für Stabilität. Für Verlässlichkeit. Für das gute alte Gefühl, dass alles schlimmer werden könnte – aber zum Glück nicht überraschend.
Wadenbeisser
Achtung: Schonungslos bissig
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