Begegnung schlägt Bildschirm

In Zeiten von Homeoffice, dezentraler Leistungserbringung und digitaler Kommunikation geraten soziale Faktoren wie Nähe, Vertrauen und nonverbale Signale zunehmend ins Hintertreffen. Für effiziente Geschäftsprozesse, hohe Qualität und nachhaltigen unternehmerischen Mehrwert ist jedoch die direkte Interaktion zwischen Mitarbeitenden entscheidend. Auch Innovation lebt von Austausch, Geschwindigkeit und spontanen Impulsen. Die Büroräume der Zukunft müssen genau diese Begegnungen gezielt ermöglichen und fördern.

Digital und dezentral – mit Nebenwirkungen: Homeoffice und digitale Zusammenarbeit werden von vielen Mitarbeitenden geschätzt: eingesparte Pendelzeit, mehr Flexibilität, höhere gefühlte Lebensqualität. Doch der Preis ist hoch. Nähe zu seinen Kolleginnen und Kollegen, Vertrauen und die feinen Zwischentöne der nonverbalen Kommunikation gehen verloren. Die Isolation stumpft ab, spontane Begegnungen, kreative Dialoge oder das beiläufige Wahrnehmen des Gegenübers verschwinden. Was bleibt, ist vielleicht technische Effizienz – aber oft ohne emotionale Tiefe.

Innovation entsteht zwischen Menschen. Unternehmerischer Mehrwert zeigt sich nicht nur in Produkten oder Dienstleistungen, sondern in kontinuierlicher Verbesserung, Effizienzsteigerung und Innovationskraft. Wertschöpfung entsteht dort, wo Menschen miteinander arbeiten, aktiv interagieren, Wissen teilen und Ideen weiterentwickeln. Mitarbeitende erwarten neben Aufgaben und Verantwortung auch Vertrauen, Zugehörigkeit und echten Austausch. Gemeinsame Identität, schneller Wissenstransfer und gelebte Kommunikation steigern den Unternehmenswert nachhaltig.

Büroräume als Begegnungsräume: Die Diskussion um die Zukunft des Büros ist in vollem Gange: weniger Fläche, Open Labs oder gar der vollständige Abschied vom klassischen Arbeitsplatz. Klar ist: Die Büroflächen von heute und morgen sollen Begegnung bewusst inszenieren. Wie in einem gut geplanten Rundgang entstehen zufällige Kontakte, spontane Gespräche und neue Perspektiven. Das «bewegte Büro» schafft physische Zufälle, fördert die Interaktion und beschleunigt Problemlösungen.

Vertrauen entsteht analog. So wird Kommunikation aktiv gestaltet – und Vertrauen entsteht dort, wo Menschen sich real begegnen. Digitale Effizienz ist gut. Menschliche Nähe ist besser. Wer glaubt, Kultur lasse sich downloaden, unterschätzt die Kraft des persönlichen Moments. Das Büro bleibt: als Bühne für Vertrauen, Beschleuniger und Geschwindigkeit sowie für neue Ideen.

Bruno Sauter

Unternehmer, Konsulent und ehemaliger Chef des kantonalen Amts für Arbeit (AWA)

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