«Der Strom bleibt in der Gemeinde»
Firmen mit eigener Solaranlage können überschüssigen Strom neuerdings in lokale Elektrizitätsgemeinschaften geben. Im Interview erklärt Expertin Cinzia Battaglia, wie EKZ Gemeinden, grosse Produzentinnen und Konsumenten im kompletten LEG-Prozess begleitet.
21. Mai 2026
Rickenbach im Zürcher Weinland aus der Vogelperspektive mit Blick auf die Solaranlage der Wegmüller AG – ein Teil ihres überschüssigen Solarstroms wird über eine LEG mit dem Dorf geteilt.
von Viviane Ammann
Unternehmen investieren zunehmend in eigene Photovoltaikanlagen. Die Vorteile liegen auf der Hand: tiefere Energiekosten, mehr Unabhängigkeit und eine bessere Planbarkeit. Doch sobald mehr Strom produziert als selbst verbraucht wird, stellt sich eine zentrale Frage: Wohin mit dem Überschuss? Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) setzen hier an. Sie ermöglichen es, Solarstromüberschüsse innerhalb einer Gemeinde zu teilen und so lokal produzierten Solarstrom gemeinsam zu nutzen, statt ihn ins Netz einzuspeisen.
Was ist der Zweck von lokalen Elektrizitätsgemeinschaften?
Cinzia Battaglia: Ziel ist es, lokal produzierten Strom möglichst effizient vor Ort zu nutzen. LEG sind seit Anfang Jahr erlaubt und schaffen eine neue Möglichkeit, um überschüssigen Solarstrom lokal zu vermarkten. Im Vergleich zu bisherigen Modellen (mehr dazu in der Infobox «ZEV, vZEV und LEG im Überblick») erweitern sie den Radius bis zur Gemeindegrenze. So bleibt der Strom in der Gemeinde, statt ins Stromnetz eingespeist zu werden. Das stärkt die regionale Wertschöpfung, fördert die Energieunabhängigkeit und erleichtert die Nutzung erneuerbarer Energien.
« Bei der EKZ-Lösung «Gemeinsamstrom» erhalten Produzentinnen einen fixen Preis, was Planungssicherheit schafft. »
Cinzia Battaglia, Business Development Managerin «Gemeinsamstrom» bei EKZ
Wie profitieren Unternehmen mit eigener Solaranlage?
Battaglia: Die Optimierung des Eigenverbrauchs bleibt zentral. Strom, der dann noch übrig bleibt, kann in der LEG mit der lokalen Gemeinschaft geteilt werden – etwa mit Nachbarbetrieben oder privaten Haushalten. Das ist wirtschaftlich interessant, da der eigenproduzierte Strom nicht zu variablen und unter Umständen tiefen Rückliefertarifen ins Netz eingespeist werden muss. So lassen sich Erträge besser planen und die Investitionen in die Anlage langfristig absichern.
Es gibt also mehr Geld in der LEG als bei einer Einspeisung ins Netz?
Battaglia: Wie viel Geld Produzentinnen für den LEG-Strom erhalten, hängt von der Preisgestaltung ab – und dazu gibt es keine Vorgaben. Bei der EKZ-Lösung «Gemeinsamstrom» erhalten Produzentinnen einen fixen Preis, was Planungssicherheit schafft – im Gegensatz zu schwankenden Rückliefertarifen, die sich an Angebot und Nachfrage orientieren und bei hoher Solarproduktion sinken. Zudem übernimmt «Gemeinsamstrom» sämtliche administrativen Aufwände wie die Abrechnung, das Teilnehmenden-Management oder die Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Ein wesentlicher Vorteil, denn diese Aufwände können beim privaten Betrieb einer LEG schnell die Einsparungen wieder wegfressen.
Was haben die Verbraucher von einer LEG-Teilnahme?
Battaglia: Nimmt man als Verbraucher an einer LEG mit «Gemeinsamstrom» teil, so zahlt man weiterhin gleich viel für seinen Strom wie bisher, erhält aber nachhaltigem Solarstrom aus der eigenen Gemeinde, unterstützt damit lokale Produzenten und leistet einen persönlichen und spürbaren Beitrag zur erneuerbaren Stromversorgung – ganz ohne eigene Investitionen. Das ist besonders für Unternehmen relevant, die nachhaltiger werden wollen, aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel oder baulicher oder denkmalpflegerischer Vorgaben keine eigene Anlage realisieren können.
Können Sie «EKZ Gemeinsamstrom» an einem Beispiel veranschaulichen?
Battaglia: In Rickenbach ZH wurde eine LEG mit privaten Initianten, der Gemeinde und EKZ lanciert. Die Wegmüller AG betreibt dort eine grosse Solaranlage mit einer installierten Leistung von rund 700 Kilowatt – ein Vielfaches einer üblichen Dachanlage bei Einfamilienhäusern. Bisher wurden rund 20 Prozent der Produktion ins Netz eingespeist, mit der LEG wird ein Teil dieses Überschusses nun lokal genutzt. Für den Betreiber der Anlage bedeutet das eine sinnvolle, lokale Verwertung seines Überschussstroms. Die LEG in Rickenbach wird nun laufend erweitert, denn: Je mehr Teilnehmende, desto besser kann Angebot und Nachfrage nach LEG-Strom aufeinander abgestimmt werden.
Welche Leistungen übernimmt EKZ dabei?
Battaglia: Als Verteilnetzbetreiber ist EKZ gesetzlich verpflichtet, die Gründung von LEG zu ermöglichen – und das Interesse ist gross: Im EKZ-Netzgebiet sind derzeit 60 LEG in Betrieb, weitere 245 befinden sich in Aktivierung bzw. Anmeldung. Mit unserem LEG-Dienstleistungsangebot «Gemeinsamstrom» gehen wir einen Schritt weiter und bieten ein rundum sorglos Paket: Wir begleiten den gesamten Prozess – von der Planung über die Umsetzung bis zum Betrieb – und übernehmen den organisatorischen Aufwand. So wird die Teilnahme auch für kleinere Gemeinden und Unternehmen einfach und ohne Mehrkosten möglich.
Wie gross ist das Interesse der Gemeinden an dieser LEG-Lösung?
Battaglia: Das Interesse ist gross und wächst zunehmend. Viele Gemeinden wollen zu einer zukunftsgerichteten und unabhängigen Stromversorgung sowie zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Mit «Gemeinsamstrom» erhalten sie eine niederschwellige Lösung, um die erneuerbare Stromerzeugung zu fördern und den lokal erzeugten Strom gezielt vor Ort zu nutzen – auch für eigene Liegenschaften wie Schulhäuser, Verwaltungsgebäude oder Infrastrukturen. Nebst der bereits aktiven LEG in Rickenbach haben über 20 weitere Gemeinden Projekte mit «Gemeinsamstrom» gestartet, mit weiteren Gemeinden stehen wir im Austausch.
Wo liegen die Herausforderungen bei LEG?
Battaglia: LEG stehen in der Schweiz noch am Anfang. Entsprechend sollten sie derzeit nicht primär aus Renditeüberlegungen beurteilt werden: Allein durch eine LEG wird eine Solaranlage aktuell noch nicht rentabel.
Derzeit sind LEG am ehesten als Pionierprojekte zu verstehen, in denen neue Ansätze erprobt werden. Sie ermöglichen erstmals ein gemeinsames, transparentes Energiesystem auf Gemeindeebene: Produzentinnen und Konsumenten werden vernetzt, so dass lokal erzeugte Energie in Zukunft auch lokal intelligent genutzt werden kann – ein wichtiger Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit. Mit «Gemeinsamstrom» senken wir die Einstiegshürde gezielt: Betrieb, Abrechnung und Administration werden übernommen, sodass für die Teilnehmenden kein zusätzlicher Aufwand entsteht.
EKZ ist überzeugt, dass LEG ein zukunftsfähiges Modell sind, insbesondere im Zusammenspiel von lokaler Produktion und Verbrauch. Gleichzeitig ist klar: Es liegt noch ein Weg vor uns, bis LEG ihr volles Potenzial entfalten und spürbare Auswirkungen auf das Energiesystem und die Netze haben.
ZEV, vZEV und LEG im Überblick
Wird Solarstrom direkt vor Ort genutzt, so hat dies viele Vorteile: Der Eigenverbrauch steigt, die Stromkosten sinken und die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage wird optimiert. Verbrauchsmodelle wie ZEV, vZEV oder LEG ermöglichen genau das und bieten Unternehmen mehr Planungssicherheit bei den Energiekosten, eine bessere Nutzung eigener Produktionsanlagen und einen aktiven Beitrag zur lokalen Energiewende.
(Virtueller) Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV / vZEV)
Beim ZEV wird lokal erzeugter Solarstrom innerhalb eines Gebäudes oder Areals mit gemeinsamem Netzanschlusspunkt genutzt, bei vZEV auch über benachbarte Liegenschaften hinweg. Ob ein vZEV möglich ist, zeigt die Netztopologie. Ziel ist ein höherer Eigenverbrauch; der geteilte Strom ist von Netzabgaben befreit.
Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG)
LEG erweitern den Radius für das Teilen von lokal produziertem Strom bis zur Gemeindegrenze. So können sich auch Teilnehmende (Produzentinnen und Konsumenten) ohne direkten Anschluss an die Produktionsanlage zusammenschliessen. Daher gelten LEG nicht als klassische Eigenverbrauchslösung, sondern sind vielmehr als Sharing-Konzept zu verstehen.
Info
LEG mit «EKZ Gemeinsamstrom»
Mit der ganzheitlichen LEG-Lösung «Gemeinsamstrom» begleitet EKZ Gemeinden, grosse Solarproduzentinnen und Konsumenten umfassend von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung einer LEG.
Eine LEG mit «Gemeinsamstrom» bietet Vorteile für alle: Produzenten profitieren von einer fixen, marktpreis-unabhängigen Vergütung für ihren überschüssigen Strom. Konsumenten erhalten Zugang zu lokalem, nachhaltigem Solarstrom, ohne eigene Anlage – und zum gleichen Preis wie in der EKZ-Grundversorgung.
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Eine LEG mit «Gemeinsamstrom» bietet Vorteile für alle: Produzenten profitieren von einer fixen, marktpreis-unabhängigen Vergütung für ihren überschüssigen Strom. Konsumenten erhalten Zugang zu lokalem, nachhaltigem Solarstrom, ohne eigene Anlage – und zum gleichen Preis wie in der EKZ-Grundversorgung.
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