Transportbranche unter Druck
Höhere Treibstoffkosten für das Transportgewerbe treiben die Preise entlang der gesamten Lieferkette in die Höhe und belasten besonders KMU. Der Nutzfahrzeug-Branchenverband ASTAG warnt vor wachsender Unsicherheit und sieht neben den Energiekosten auch den Fachkräftemangel als Herausforderung.
23. April 2026 Mark Gasser
Die steigenden Treibstoffpreise stellen Transportunternehmen in der Schweiz vor Herausforderungen.
Mit dem Angriff der USA auf den Iran kletterte der Ölpreis zwischenzeitlich stark. Nach der Verkündung einer Waffenruhe sank er zwar wieder auf unter 100 Dollar pro Barrel (Sorte Brent). Doch die Preisentwicklung bleibt unsicher – genauso wie die derzeit ausbleibenden Öl- und Gaslieferungen durch die wichtige Strasse von Hormus, welche vom Iran derzeit blockiert wird. Einige Branchen trifft das besonders hart. Für die Transportbranche haben die steigenden Treibstoffpreise einschneidende Folgen. Das wirkt sich wiederum auf die Preise der mit Camions oder Lieferwagen versandten Produkte aus. Der Strassentransport sichert die Versorgung in der Schweiz. Steigen die Kosten langfristig an, verteuert sich die gesamte Lieferkette. Am Ende trifft es somit alle. Güter werden teurer, die Kaufkraft sinkt und der Konsum geht zurück.
Die steigenden Treibstoffpreise setzen deshalb auch die Schweizer Transportbranche unter Druck. Laut Anna Bähni, Kommunikationsverantwortliche des Nutzfahrzeugverbands ASTAG, bedeutet dies für die Unternehmen vor allem stark steigende Kosten und eine anhaltende Unsicherheit. «Ein hoher Dieselpreis wirkt sich direkt auf die Kostenstruktur der Transportunternehmen aus. Treibstoff ist ein zentraler Kostenfaktor, die Mehrkosten können nicht allein durch die Branche getragen werden», so Bähni. In vielen Fällen bleibe keine andere Möglichkeit, als die Transportpreise zu erhöhen. Um die steigenden Treibstoffkosten abzufedern, reagiere die Branche vor allem über betriebswirtschaftliche Anpassungen.
Die Transport- und Logistikunternehmen kämen nicht umhin, die steigenden Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Die bereits geringen Margen liessen wenig Spielraum, wie Anna Bähni von ASTAG andeutet: «Die Weiterverrechnung der Mehrkosten ist zentral und derzeit eine der wenigen wirksamen Massnahmen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass dies nicht immer vollständig möglich ist. Gerade kleineren Unternehmen fehlt oftmals die dafür notwendige Verhandlungsmacht.»
Das bedeutet wiederum: Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind stark betroffen von den steigenden Energiepreisen. «Sie stehen unter massivem Margen- und Liquiditätsdruck und spüren die Auswirkungen steigender Treibstoffpreise direkt», fügt Bähni an.
Politische Forderungen
Bereits wurden erste Forderungen in Bundesbern aufgegriffen und konkretisiert. Es liegt beispielsweise eine Interpellation vor, die den Bundesrat um eine Einordnung der Situation bittet. Gleichzeitig ist ein parlamentarischer Vorstoss hängig, der eine Senkung der Mineralölsteuer fordert.
Die ASTAG verfolge die Entwicklungen aktiv und bringe sich auch politisch ein, erklärt Anna Bähni. Sollte sich die Situation weiter verschärfen, erwarte der Verband von Politik und Verwaltung «besonnene und breit abgestützte Massnahmen».
Anhaltender Fachkräftemangel
Beschleunigt die aktuelle Entwicklung den Umstieg auf alternative Antriebe wie Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge? Ein Beispiel: Die grosse Schweizer Logistikfirma Galliker ist Vorreiterin bei Elektro-Lkw und nachhaltiger Logistik. Doch solche Umstellungen seien nicht kurzfristig realisierbar, präzisiert Bähni.
Der Umstieg auf alternative Antriebe wie Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge ist mit sehr hohen Investitionen verbunden und setzt vor allem Planungssicherheit voraus.» Gerade für kleine und mittlere Transportunternehmen stellten die notwendigen Investitionen etwa für eine Elektrifizierung der Flotte eine grosse Herausforderung dar. «Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven bleibt der Umstieg für viele Betriebe schwierig.»
Zuoberst auf dem Sorgenbarometer steht deshalb nicht der Umstieg auf alternative Antriebe. Neben den volatilen Treibstoffpreisen beschäftigt der anhaltende Fachkräftemangel die Branche. «Es wird immer schwieriger, die richtigen Leute zu finden», sagt Anna Bähni. «Gleichzeitig ist die künftige Ausgestaltung der LSVA derzeit noch offen, was die Flottenplanung massiv erschwert. Der Branche fehlt damit in vielerlei Hinsicht die Planungssicherheit.»
Mark Gasser
Chefredaktor
Zürcher Wirtschaft
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