Kuhfürze als Staatsangelegenheit

Als Schweizer KMU-Unternehmer ist man ja einiges gewohnt. Aber was unsere deutschen Nachbarn nun vormachen, ist selbst für geübte Bürokratie-Ästheten ein neues Kunstwerk: die staatlich regulierte Kuhflatulenz: Das Furzen der Kühe wird nämlich zum Staatsakt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der deutsche Staat dort ankommt, wo selbst der Landwirt normalerweise wegschaut: am Hinterteil der Kuh. Das Umweltministerium will nämlich messen, wie viel Kühe rülpsen und furzen. Und zwar mit Hightech-Geräten, die messen, wie viel Methan eine Kuh von sich gibt. Willkommen im Zeitalter des «Rülpstrackers» oder «Furzometers».

Als Vorbild dient Neuseeland, wo Kühe bereits an Messstationen fressen wie Patienten im Wartezimmer einer gastroenterologischen Spezialklinik. Und Dänemark führte als erstes Land der Welt eine Steuer auf furzende und rülpsende Rinder und Schweine ein. Die Emissionen der Tiere sollen ab 2030 besteuert werden, um zur Klimaneutralität bis 2045 beizutragen.

Es sollen ferner Futterzusätze eingesetzt werden, die den Methanausstoss senken. Eines davon, Bovaer, sorgte kürzlich für Schlagzeilen, weil es den Tieren in Dänemark gesundheitliche Probleme bereitete. Alternativ setzt man auf Zuchtprogramme. Manche Kühe furzen genetisch weniger. Die emissionsarme Eliteherde: Bald wird es Stammbäume geben mit Angaben zu Milchleistung, Fettgehalt und Flatulenz.

Die eigentliche Meisterleistung ist jedoch die Symbolpolitik. Während Rechenzentren, Streamingplattformen und Neubausiedlungen in Entstehung munter weiter emittieren, erklärt man die Kuh zur letzten Bastion des Klimakrieges.

Als Unternehmer fragt man sich unwillkürlich: Wann kommt das KMU-Furzlabel? Muss ich demnächst den Methanausstoss meiner Mitarbeitenden deklarieren? Gibt es Emissionszertifikate für Geschäftsessen? Und wird das BAFU unangekündigt Darm-Revisionen durchführen? Vorerst bleiben wir verschont von solchen Furzideen.

Das Klimaschutzprogramm 2026 mit dem Vorschlag soll am 1. April verabschiedet werden. Da die Politik seit Jahren wie ein durchgehender Aprilscherz wirkt, wäre die Pointe perfekt.

Während man Kühe vermisst, entweichen an anderer Stelle ganz andere Gase: aus Politikern, Lobbyisten und Ministerien. Aber diese sind schwerer zu messen. Kühe sind da einfacher. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft: Wenn die Probleme zu gross sind, misst man einfach das, was am lautesten hörbar ist. So bleibt die Frage bestehen: Wer misst eigentlich den Methanausstoss der Bürokratie?

Der Rindvieh-Darm wird zur letzten Front im Kampf gegen den Weltuntergang erklärt. Der Planet brennt – und der Staat misst Pupse.

Wadenbeisser

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