Die stillen Energiemonster im Büro

Die grössten Stromfresser sitzen oft dort, wo man sie kaum vermutet: im Büro, im Pausenraum, im Standby-Modus. Wie man ohne grossen Aufwand Strom sparen kann – ohne Komfortverlust und Einschränkungen.

Bild stock.adobe.com/Vadym/KI-generiert

Gerade das Ausschalten kann vermeintliche «Stromfresser» im Büro sparsamer werden lassen.

Eine Strommangellage in der Schweiz sei kein unrealistisches Szenario und könnte für die Bevölkerung und auch das Gewebe unangenehme Konsequenzen haben, warnt das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunika-tion (Uvek) immer wieder.

Um Stromengpässe zu vermeiden, müsste die Schweiz den beschlossenen Aus- und Zubau systemrelevanter Wasserkraftwerke konsequent vorantreiben. Dazu bräuchte es schnellere Planungs- und Bewilligungsverfahren sowie eine politische Priorisierung der Versorgungssicherheit gegenüber langwierigen Einsprachen. Gleichzeitig müssten Investoren durch verlässliche Rahmenbedingungen gehalten werden, statt sie mit Bürokratie und Unsicherheiten zu vertreiben. Andernfalls bleibt die Schweiz im Winter auf Stromimporte angewiesen – mit dem realen Risiko einer Strommangellage. Wenn Frankreich und Deutschland nicht mehr wollten, könnten sie uns jederzeit den Strom abstellen. Das wären dann je nach Jahreszeit bis zu 50 Prozent des Bedarfs. Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist das kein gutes Gefühl.

Wie dramatisch sich ein Stromausfall auf die Wirtschaft auswirken kann, zeigte sich Anfang Jahr in Berlin. In den 2200 betroffenen Unternehmen wurde dadurch gemäss den Wirtschaftsverbänden Schäden in Millionenhöhe an Anlagen und Maschinen und durch Umsatzausfälle verursacht.

Kleine Massnahmen mit Effekt

Dabei könnte simples Stromsparen dazu beitragen, Engpässe zu verhindern. Und zwar ohne dass es jemandem wehtut oder sich Haushalte und Firmen einschränken müssten.

Das bestätigt auch Giordano Pauli, Inhaber der Savenergy Consulting GmbH in Zürich. Seine Firma unterstützt Bauherren und Architekten mit der Entwicklung von ganzheitlichen Energiekonzepten. «Wenn es sich nicht gerade um einen Grossbetrieb handelt, mag das Einsparpoten-zial für ein einzelnes KMU marginal sein. Hochgerechnet aber auf die 125 000 Betriebe allein im Kanton Zürich ist das Sparpotenzial aber riesig.» Würde in diesen Firmen beispielsweise jeweils nur ein einziges Bürogerät dauerhaft auf Standby stehen, summiert sich ein scheinbar minimaler Verbrauch schnell zu einer beträchtlichen Grösse.

«Am effizientesten ist es, mit der verantwortlichen Person vor und nach Arbeitsschluss durch den Betrieb zu gehen, um die Stromfresser zu eruieren und entsprechende Massnahmen zu treffen. Dabei könnten auch gleich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibilisiert werden, aktiv Strom zu sparen», sagt Giordano Pauli. Übersehen dürfen dabei auch jene Stromverbraucher nicht, die unscheinbar im Hintergrund laufen – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Gerade im Büroalltag und in Pausenräumen verstecken sich wahre Energiefresser: Kaffeemaschinen, Snackautomaten, Wasserspender oder Kühlschränke. Zusammen verbrauchen sie nicht selten mehr Strom als einzelne Maschinen in der Produktion.

Abschalten statt Standby

Der erste Hebel wäre also banal, aber dennoch wirkungsvoll: abschalten statt Standby. PCs, Monitore, Drucker oder Multifunktionsgeräte ziehen auch im Bereitschaftsmodus weiterhin Strom. Ähnlich verhält es sich mit der Beleuchtung. Bewegungsmelder in Nebenräumen, Toiletten oder Lagern senken den Stromverbrauch deutlich – vor allem in Betrieben mit wechselnden Arbeitszeiten. Auch bei Heizung, Lüftung und Klimaanlagen liegt Potenzial: Bereits eine um ein Grad tiefere Raumtemperatur spart rund sechs Prozent Heizenergie. Richtiges Stosslüften statt dauerhaft gekippter Fenster verhindert zusätzlich unnötige Wärmeverluste.

Besonders ins Gewicht fallen Geräte, die 24/7 in Betrieb sind. Ein Snackautomat verbraucht je nach Modell 2000 bis 3000 kWh pro Jahr – das entspricht Stromkosten von rund 500 bis 750 Franken. Eine professionelle Kaffeemaschine mit Dauerboiler kommt schnell auf 1000 kWh jährlich, ein ständig gekühlter Wasserspender auf weitere 400 bis 600 kWh.

KI erlebt gerade einen unwahrscheinlichen Hype – wir machen uns einen Spass daraus, ChatGPT alles Mögliche zu fragen, ohne Relevanz für den Umsatz und die Wertschöpfung des Unternehmens. Oder wenn Mitarbeitende nicht in der Lage sind, ein effizientes und fehlerfreies E-Mail zu schreiben, benötigen sie dafür unvorstellbar viel Energie. Das belastet zwar nicht direkt die eigenen Stromkosten, trägt aber auch dazu bei, dass der Strom schweiz- und europaweit zur Mangelware werden könnte. Deshalb sollte unnötigen Anfragen, die nicht geschäftsrelevant sind, der Riegel geschoben werden bzw. den Mitarbeitenden aufgezeigt werden, was sie damit anrichten.

Fazit: Effizienz beginnt im Alltag

Energiesparen im KMU muss nicht mit Grossprojekten starten. Oft liegt das grösste Potenzial im Detail – bei Geräten, die man als selbstverständlich betrachtet. Wer die stillen Energiemonster im Büro identifiziert und gezielt entschärft, spart nicht nur Stromkosten, sondern setzt auch ein Zeichen für verantwortungsvolles Wirtschaften. Kleine Massnahmen, grosse Wirkung – gerade im Büroalltag.

Gerold Brütsch-Prévôt

Redaktioneller Mitarbeiter Zürcher Wirtschaft

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