Gebühren, Gefühle und der letzte Anstand

Der Comedian Mike Müller kämpft. Nicht gegen Windmühlen, sondern gegen etwas weit Bedrohlicheres: Taschenrechner. Die Kampagne «200 Franken sind genug» bedroht schliesslich nicht weniger als das moralische Fundament der Schweiz. Und wenn es um Moral geht, kennt Mike Müller keine Rabatte. Zweihundert Franken für die SRG? Das ist ungefähr so verantwortungslos wie Fondue ohne Käse. Für diesen läppischen Betrag soll es Information, Kultur, Sport, Satire, den Bestatter und seelische Rundumversorgung geben?

Doppelt zuhören

Mike Müller weiss: Qualität misst man nicht in Franken, sondern in Haltung. Und Haltung ist bekanntlich umso wertvoller, je teurer sie für andere wird. Besonders souverän zeigt sich Müller beim Thema KMU. Dass kleine und mittlere Unternehmen die Serafe-Gebühren gleich doppelt bezahlen dürfen – einmal als Betrieb, einmal als Privatperson – findet er völlig in Ordnung. Doppelt zahlen heisst schliesslich doppelt dazugehören, wenn auch nicht: doppelt zuhören. Wer wirtschaftet, soll auch solidarisch sein. Und Solidarität ist nun einmal kein Menü à la carte, sondern ein Pflichtgang ohne Wahlmöglichkeit. Dass viele Betriebe unter steigenden Abgaben, wachsender Regulierung und immer dünneren Margen ächzen, wirkt da fast schon kleinlich. Die SRG berichtet schliesslich über «relevante Themen». Welche das sind, entscheiden praktischerweise jene, die dafür Geld erhalten. Effizienzfragen gelten in diesem Umfeld schnell als neoliberale Störung des Sendefriedens, Zahlen als Zumutung, Vergleiche als Majestätsbeleidigung.

Sparen bei der SRG?

Die Forderung nach 200 Franken wirkt daneben wie ein unverschämter Schlussverkauf auf die nationale Identität. Sparen bei der SRG? Das wäre, als würde man vorschlagen, Demokratie nach Bedarf zu streamen oder Neutralität zu pausieren. Mike Müller stemmt sich dagegen wie gegen eine besonders schlechte Pointe – mit ernster Miene, leicht erhobenem Zeigefinger und moralischem Hochdruck. Natürlich könnte man fragen, warum ausgerechnet hier jede Kritik sofort als Angriff auf Kultur, Zusammenhalt und Anstand gilt. Oder warum Vertrauen offenbar proportional zur Gebührenhöhe wachsen muss. Doch solche Fragen passen schlecht ins Studio. Dort ist es warm, das Licht schmeichelhaft, die Gagen hoch, der Ton verständnisvoll, und irgendwo zahlt ein KMU brav weiter. Monat für Monat. Am Ende bleibt die beruhigende Erkenntnis: Solange Mike Müller für die SRG spricht, ist alles erklärt. Die Gebühren sind gerecht, die Doppelbelastung für KMU sinnvoll und Zweifel unnötig. Und falls doch jemand nachrechnet, gibt es immer noch ein Lächeln. Sarkasmusfrei. Öffentlich-rechtlich geprüft. Gebührenpflichtig.

Wadenbeisser

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