Unternehmensnachfolge – eine Herkulesaufgabe

Die Unternehmensnachfolge und die Variante der Übertragung auf die neue Übernehmerin, den neuen Übernehmer, will gut überlegt und idealerweise von langer Hand geplant sein.

Bei 20 Prozent der rund 600 000 Schweizer KMU steht in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolgeregelung an. Ein solcher Generationenwechsel ist denn auch eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Will ein Unternehmer mit 65 Jahren in den Ruhestand treten, muss er spätestens fünf Jahre zuvor mit der Unternehmensnachfolgeplanung beginnen. Gelingt es ihm nicht, eine Nachfolge rechtzeitig aufzugleisen, kann es im schlimmsten Fall zur Liquidation der Firma kommen. Bestehende Arbeitsplätze, Know-how und Kapital gehen verloren. Der dabei entstehende volkswirtschaftliche Schaden ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Diverse Wege führen nach Rom

Die familieninterne Nachfolge ist immer noch die am meisten gewählte Nachfolgelösung, auch wenn sie aufgrund der wachsenden Individualisierung tendenziell weniger gewählt wird. Sie ist geprägt durch die Verknüpfung von geschäftlichen und familiären Themen: Welche Nachkommen möchten und können die Nachfolge antreten? Alleine oder im Verbund? Was bedeutet Gerechtigkeit für Familienmitglieder, die im Unternehmen mitarbeiten, und für diejenigen, die nicht ins Familienunternehmen eingebunden sind? In welchem Zeitrahmen sollen Verantwortlichkeiten, Führung und Eigentum übergeben werden? Wie ist die abgebende Generation für ihre Zukunft abgesichert?

Eine weitere, oft gewählte Variante ist die Unternehmensübernahme, bei der das bisherige Management beziehungsweise Mitarbeiter die Mehrheit des Kapitals von den bisherigen Eigentümern erwerben. Die neuen Eigentümer kennen die Geschäftsabläufe sowie die Unternehmensphilosophie aus dem Effeff, was den Einstieg erleichtert. Als Kehrseite der Medaille fehlt den internen Nachfolgern manchmal die notwendige Distanz. Sie erkennen ungenutztes Potenzial weniger gut und haben mehr Mühe, «eingetretene Pfade» zu verlassen.

Des Patrons letzte Aufgabe

Der Verkauf an ein externes Management wird für viele Unternehmer relevant, wenn familien- oder betriebsintern kein geeigneter Nachfolgekandidat vorhanden ist. Häufig wollen externe Nachfolger Veränderungen in der Firma zu schnell durchsetzen. Oftmals vergessen sie dabei die Wichtigkeit, die Mitarbeiter für die Veränderungsschritte mit an Bord zu haben. Mit dem Generationenwechsel durch eine externe Lösung eröffnen sich für die KMU jedoch zahlreiche Chancen. Veränderungen können beispielsweise im Bereich der Produktentwicklung, der Verkaufskanäle oder Digitalisierung anstehen.

Mit anderen Worten: Erfolgreicher Unternehmer zu sein, ist eine echte und stetige Herausforderung. Die Unternehmensnachfolge ist des Unternehmers letzte Herkulesaufgabe im Berufsleben – aber eine der wichtigsten!

Thomas Hess

Geschäftsführer KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich KGV

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